ö

Zähne ein wenig zu hart, und für unsere Zungen unschmackhaft sind. Wenn in den Magen der Schweine deine Eicheln gehörig verdauet sind, so werden gar schöne fette Schinken daraus, die dem Menschen recht wohl behagen."

Es ist doch sonderbar, daß es mit dir und deinen Vrüdern, den übrigen Bäumen, noch lange nicht zu Ende geht, wenn ihr von den Menschen in Stücken gehauen seyd, und in kläglichen Trümmern auf dem Boden lieget; vielmehr kommt ihr Eichen dadurch erst recht zu Eh­ren, und verwandelt euch in allerlei schöne Gestalten, denen man es gar nicht mehr ansieht, daß sie von euch abstammen. Wer weiß, ob du stolzer Baum nicht in kurzer Zeit ganz zersägt, und in ein gewalti­ges Schiff verwandelt wirst, und in dieser Gestalt das Weltmeer durch­reisest, und ferne Länder besuchst. Ja selbst, wenn du das schlimmste Schicksal, das du erfahren kannst, erleiden, und verbrannt werden solltest, gehst du doch nicht zu Grunde, sondern kommst hernach, in Seife verwandelt, noch in allerlei zarte und vornehme Hände, bis du endlich deinen Tod im Wasser gefunden hast, worin du dich auflösest. Das wunderbarste ist, daß du so oft dem Menschen zur ersten und zur letzten Wohnung dienest, indem du ihn als Säugling in der Wiege, und als Todten im Sarge beherbergst. Und wenn ich bedenke, durch wie viele Menschenhände du noch gehen wirst, ehe dein Ende kommt, so erstaune ich. Ja, es ist wahr, dein Schicksal ist wunderbar!"

Als Hermann bis hieher mit lauter Stimme gelesen hatte, obgleich er ganz allein in der Stube zu seyn glaubte, fuhr der Vater, welcher hereingetreten war, ohne daß es Hermann gemerkt hatte, also fort: Und doch nicht so wunderbar, wie das Schicksal der Eichen, welche i» den Wäldern und Gebirgen des heißen Spaniens wachsen." Ach, liebster Vater, bist du da? ich wußte nicht, daß du mein Zuhörer warst, aber nun ist ee mir recht lieb, denn du wirst mir erzählen, wie es den Eichen in Spanien ergeht, und ich werde dann meine Lebensbeschrei­bung noch weiter fortsetzen können.Aber sage mir, närrischer Junge, warum du bloß dir selbst etwas vorerzählst, warum nicht deiner Mut­ter und deinen Geschwistern? Noch heute Abend sollst du die Lebens­beschreibung der Eiche vorlesen, und dann wollen wir sehen, ob wir uns nicht auch einander das Leben der übrigen Bäume vorerzählen kön­nen." Und es geschahe also.