XXIII.

A g e l.

X^Vod) immer herrscht bey manchen Eltern das Borur- thcil, daß es eine Schande sey, ihre Kinder ein gemeines Handwerk, oder eine nicht so hoch geachtete Kunst erler­nen zu lasten. Entweder müssen sich die Kinder dem Studircn widmen, oder mindestens dem Handelsstande; ungeachtet sie weder zu dem Einen noch zu dem Andern Lust und Neigung, nicht selten auch nicht einmal Anla­gen haben. Zn diesem Borurtheile scheint eine große Thorheit zu liegen. Hat denn nicht jeder nützliche Stand seine Ehre? Und ist es nicht besser, ein guter Tischler oder Kupferstecher zu seyn, als ein ungeschickter Kauf­mann und ein stümperhafter Gelehrter? Was soll doch zuletzt aus der Welt werden, wenn alles Handeln und Wucher schreiben will'? Unsre Alten sagten: Ein Hand­werk hat einen goldnen Boden; und sie sprachen Wahrheit. Wer ein Handwerk gut gelernt hat, den er­nährt dasselbe gewiß, da im Gegentheil oft der größte Gelehrte hungert. Um nicht mißverstanden zu werden, crinnre man sich, daß hier nur von unfähigen Köpfen die Rede ist. Wer Anlagen und Auslagen zu einem Ge­lehrten oder Kaufmann hat, der begebe sich immer zu diesen Lebensarten, nur der Unfähige bleibe davon!