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ich gern." Niemals hatte ich das bis jetzt gethan, als nur in der Kirche und mit Orgclbegleitung. Stockend hob ich an, vergaß aber bald jcde Befangenheit, als die Baronin mit sang. Sie sah dabei unbeschreiblich ehrwürdig aus, und sang so rich- tig, daß ich ganz beherzt ward und meine Stimme laut erhob. Nachdem wir geendet, schwiegen wir Heide eine Weile, dann sagte die Baronin: „Jetzt geh zu Bette und schlafe nicht zu lange, wenn Du Lust hast, den Garten zu besehen. Um acht Uhr muß mein Frühstück bereit sein; die Zeit vor demselben ist die einzige, welche Du zu ganz freier Verfügung hast."
Ich küßte die Hand der Baronin und ging, aber doch sehr nachdenklich, auf mein Zimmer. Also ich durfte nicht zu jeder Tageszeit in den Garten, weshalb aber nicht? Welche Beschäftigung konnte mich daran verhindern? — Denken half zu nichts, ich mußte die Zeit kommen lassen. — Plötzlich fiel mir der Blumenstrauß des Fremden ein; er lag in meinem Album; ich band ihn auseinander, er roch noch wundervoll, und unwillkürlich inußte ich ihn küssen, er hatte mich so sehr erfreut! Alle Blättchcn und Blümchen, die sich zum Trocknen eignen, legte ich sorglich in ein Buch, und gedachte des freundlichen Gebers dabei. Später ordne ich ste dann zu einem Strauß für mein Album. Dann dachte ich weiter und weiter, an die liebe Heimath, und wie viel ein Kind allein an den Licbesnamcn verliert, die-es im Vate, Hause hat. Hier heiße ich nur Elinor, dort Eleonore, Nora, Ellen, Ella, Lore, Lorchcn, und ferner: Docke, Miezchen, Herzchen, Liebchen, Labsal u. s. f. Die Leute nannten mich alle Lore und die Nachbarn die Lorelei, das war ein Scherz, dessen sie nie müde wurden. — Dabei fiel mir das wunder-

