21

tem Verschluß, lag einmal in der Büchse und dann in der Kiste, und zu beiden Behältern trug sie den Schlüssel in der Tasche. Sie wellte aber den Geldklang hören. Freilich war dies kein silberner Klang, denn das Frankenstück schlug stets wider eine blecherne Wand an, wodurch, wie genugsam bekannt ist, ein Geräusch entstand, welches mit dem nicht sehr harmonisch lau­tenden WorteGerappcl" bezeichnet wird; aber dennoch war dieses Gerappcl für sie ein so wonniger Ton, daß ihr Herz gar sehr gerührt wurde und selbst eine Thräne ihr in das Auge trat. Das Geldstück war ihr eine Art Grundstein zu dem Häus­chen, das in jener Stunde schon fix und fertig vor ihrer Seele stand und in Gedanken lebte und webte sie schon darinnen und sie war so glücklich und fühlte sich so selig. Sie hatte dabei an den Segenswunsch gedacht, der auf den Lippen ihres Mannes laut geworden war, als er das Geldstück einlegte und in ihrer Seele ward das Vertrauen lebendig, daß Gott ihre gemein­samen Wünsche gewiß erfüllen werde. Im Stillen wiederholte sie den Segenswunsch und war fröhlich i» Hoffnung.

Hierauf holte sie etwas Sand, nahm ein Tuch und rieb die blecherne Büchse so blank, daß sie schier fast wie neu ihr entgegenglänzte. Jetzt aber konnte sie der Nengierde nicht wider­stehen , den Inhalt der Büchse etwas näher kennen zu lernen. Das Schlössclchen wurde genommen, die Büchse aufgeschlossen und die Münze hervorgeholt. Daß das Geldstück ein Franke war, wußte sie von ihrem Manne; nach dem Werthe desselben sah sie demnach nicht mehr; wohl aber betrachtete sie sich das Gepräge, das noch nicht im Mindesten seine Schärfe verloren hatte. Sie machte dabei die für sie merkwürdige Entdeckung, daß dieser Franke mit ihr und ihrem Manne ei» und dasselbe Geburtsjahr hatte, wie ja ganz deutlich die Jahreszahl 1780