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VI.
Im Vertrauen auf Gottes Hülfe und Beistand betrat in der Morgenstunde des zweiten Tages die Wittwe mit Antonio in Begleitung Tivvlani's die Schwelle ihrer Wohnung. Es war ihr ein schwerer Gang, mit zögernden Schritten nahte sie sich der Stätte, wo sie an der Seite ihres Mannes, und dieser mit ihr im Besitze eines hoffnungsvollen Knaben, die glückseligsten Stunden verlebt hatte. Mir zitternder Hand öffnete sie die Thüre; aber siehe, als sie eintrat, leuchtete ihr wieder der Strahl der aufgehenden Morgensonne in'S Angesicht, der Sonne, auf welche sie ihr Kind hingewiesen, um darin die Freundlichkeit Gottes zu schauen, welcher dieses Tageslicht mit dem ganzen weiten Himmel, den Menschen, seinen Kindern, seinen täglichen Zeugen sein läßt, daß er uns nicht verlasse noch versäume, daß er mit seinen treuen Vateraugen Tag und Nacht über uns Wache hält und Tag und Nacht uns zuruft: Ich bin bei Euch, und gehe mit Euch und bleibe bei Euch im Leben und im Sterben. — Wohl weinte ihr Auge von Neuem Thränen des Schmerzes, zumal da auch Antonio wieder laut zn weinen anfing, doch ermannte sie sich wieder und erinnerte Antonio an die Worte, welche sie schon einmal zn ihm gesprochen: „Laß uns stille sei», mein Kind, sieh', auch heute läßt der liebe Gott seine Sonne scheinen; er meint es doch gut mit uns, wenn er auch Schmerz uns bereitet hat!" und fuhr sie weiter fort: „der gute Vater ruht ja jetzt aus im Grabe von aller Mühe und Arbeit, und seine Seele ist bei Gott und freut sich des Himmels! — dem guten Vater ist es ja dorten wohler als es je noch hier auf Erden einem Menschen gewesen ist. Laß uns nur recht fromm sein, mein Kind, und wir kommen dann ja

