80
sei ruhig und mache dir weiter keine Gedanken; die Schwäche wird vorübergehen; ich glaube, wenn ich etwas genieße, dann wird's mir besser werden."
Eiligst erhob sich Antonio von seinem Lager, um der Mutter für ein Frühstück zu sorgen. In kurzer Zeit trat er wieder herein und brachte der Kranken eine Tasse schwachen Kaffee und ein Butterbrod.
„Danke dir, mein guter Sohn, das hat mich erquickt; es ist mir um Vieles besser. — Gehe jetzt in den Garten und begieße die Pflanzen, ehe die Sonne aufgeht; der Himmel ist wieder wolkenlos und die Hitze wird noch größer werden als sie gestern war. — Ich will während dessen einmal sehen, ob ich etwas schlafen kann. — Doch ehe du gehst, Antonio, mußt du erst etwas genießen; du bist noch nüchtern; hörst du?"
„Das hat Zeit, bis ich wiederkomme, liebe Mutter," erwiederte Antonio, „das Morgenroth blinkt schon am Himmel und ehe wir es uns versehen, wird die Sonne da sein; nach der Arbeit schmeckt es mir besser."
Antonio ging in den Garten und holte manchen Eimer voll Wasser und begoß die jungen Pflanzen, welche er am Tage vorher gesetzt hatte und welche zu seiner großen Freude alle über Nacht angeschlagen zu sein schienen. Die Mutter schlief ein, aber sie hatte nur einen kurzen und dabei unruhigen Schlummer. Zu ihrem alten Uebel hatte sich noch eine Erkältung hinzugescllt, welche sie sich den Abend vorher zugezogen haben mochte, da sie allzu lange am offenen Fenster gestanden, um ihrem Antonio zuzusehen, der gegen Abend nochmals die Pflanzen reichlich begoß in der Hoffnung, daß sich dieselben, da sie den Tag über viel von der Sonnenhitze zu leiden hatten, wieder erholen würben. Der kühle Abendwind, der durchs

