82

aus, weil dieses Geschäft am wenigsten Geräusch machte, und blickte von Zeit zu Zeit nach der guten Mutter hin, um nachzusehen, ob der Thee auch die gewünschte Wirkung äußere.

Er hatte die Freude, wahrzunehmen, wie sich das vorher blaffe Angesicht der Mutter etwas röthcte und wie nach einiger Zeit auch einzelne Schweißtropfen hervortraten.

Mutter," sprach der Sohn leise,wie freue ich mich, wie bin ich so froh, der Thee wirkt, ich sehe es; Gott sei Dank, es wird dir wohl besser werden."

Und die Mutter nickte ihm zu und schlug die Augen auf und in ihren Augen konnte Antonio es lesen, daß auch sie seiner Meinung war, denn ihr Blick war freundlicher geworden, weil in ihrem Herzen das Gefühl der Hoffnung sich regte, daß das sie betroffene Uebel wohl glücklich vorübergehen würde.

Schon um die Mittagsstunde war es Margarita leichter ums Herz und gegen Abend befand sie sich um Vieles wohler.

Dennoch aber sehen wir sie von nun an keine häuslichen Geschäfte mehr besorgen, auch zur leichtesten Arbeit war sie unfähig. Ja, sie vermochte sich nicht mehr allein anzukleiden. Antonio mußte ihr dabei bchülflich sein. Eine schwere harte Zeit begann für ihren kaum zehnjährigen Knaben. Aber in diesem ganzen Zeitraume wurde doch kein Ton der Klage laut. Wohl entstieg dem Herzen der Wittwe mancher Seufzer, wohl füllten ihre Augen sich oft mit Thränen; aber ihre Blicke waren dann nach oben gerichtet, von dünnen, wie sie dachte und sprach, aller Trost Herabkomme und wenn es Zeit wäre, auch die Hülfe erscheinen werde; und Antonio, weinte nur, wenn er die Mutter weinen sah. Die Mühe, die er hatte, die Last, die auf seinen Schultern ruhte, war ihm nicht schwer; er that Alles, was er für die Mutter that, ja so gern und willig und beklagte es