84
trat um so frübcr ein, da Antonio genöthigt war, von den Gemüsen, die der Garten lieferte, fast die Hälfte in der Stadt zn verwerthen, um dafür etwas Brod zu kaufen, so wie für Kaffee und Thee, welche die Mutter »och am meisten labten.
„Gute Mutter, was fangen wir aber nun an?" fragte eines Tages Antonio in tiefer Bckümmerniß, „unser kleiner Borratb ist zn Ende, Brod habe ich für dich nur noch für heute und morgen, und das Gemüse reicht nur noch für drei bis vier Tage hin." —
„Sorge nicht mein Kind," erwiederte die Wittwe, „laß uns auf Gott vertrauen, der wird weiter helfen; der das Schreien der jungen Raben höret und sie speiset, der wird auch unser nicht vergessen, daS ist mein Trost und daran denke auch du, mein lieber Antonio; jetzt gilt es den Glaube» an Gott nicht sinken zu lassen und seine Zuversicht zn setzen auf den Herrn. D» hast doch wohl nicht vergesse», was unser Heiland von den Vögeln des Himmels gesagt hat? — Sie säen nicht, sie erndten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und der himmlische Vater nähret sie doch! — Sind wir nicht mehr denn sie?"
„Ach, ich wüßte wohl, wie zn helfen wäre — ich wollte recht gern, so schwer es mir auch fällt" — sprach Antonio, aber vor Beklemmung seines Herzens konnte er nicht weiter reden.
„Was meinst dn denn mein Kind? — was willst du denn? — sei nur ruhig mein Kind und sprich," sagte beruhigend die Mutter.
„Ich dachte, liebe Mutter, ich wollte die Barmherzigkeit guter Menschen anstehen; ich will in die Stadt gehen, von

