14

Haus dort mit den vergoldeten Gittern am Fenster." Als sie aber durch den Hausgang an der marmornen Treppe vorbei in den Hof gekommen war, denn sie hoffte zuerst Je­mand anzutreffen, ehe sie an einer Stubenthüre anpochte, da stand eine betagte freundliche Frau von vornehmem Ansehen in dem Hofe und fütterte das Geflügel, die Hühner, die Tauben und die Pfauen.

Was willst du hier, mein Kind?" Franziska faßte ein Herz zu der vornehmen, freundlichen Frau, und erzählte ihr die ganze Geschichte:Ich bin auch ein armes Hühnlein, das eures Brodes bedarf!" sagte Franziska, und bat sie um Dienst. Die Frau aber gewann Zutrauen zu der Bescheiden­heit und Unschuld und zu dem nassen Auge des Mädchens, und sagte:Sei zufrieden, mein Kind, Gott wird dir den Segen deiner Mutter nicht schuldig bleiben. Ich will dir Dienst geben und für dich sorgen, wen» du brav bist." Denn die Frau dachte:Wer kann wissen, ob nicht der liebe Gott mich bestimmt hat, ihre Vergelterin zu sein, und sie war eines reichen Rotterdamer Kaufmanns Wittwe, von Geburt aber eine Engländerin. Also wurde Franziska zuerst Hansmagd, und als sie gut und treu erfunden ward, wurde sie Stuben- magd, und ihre Gebieterin gewann sie lieb, und als sie immer seiner und verständiger ward, wurde sie Kammerjungfer.

Im Frühling, als die Rosen blühte», kam aus Genua ein Vetter der vornehmen Frau, wie er sie denn fast alle Jahre um diese Zeit zu besuchen pflegte, und als sie Eins und das Andere hinüber und herüber redeten, trat Franziska in das Zimmer, um etwas aufzuräumen und zurecht zu legen, und wußte nicht, daß der Vetter in der Stube wäre, erschrack also fast ein wenig und ging alsbald wieder hinaus. Der