24
8. Die Besatzung von Oggersheim.
In Oggersheim, gegenüber von Mannheim, um die Wahl etwas weiter oben oder unten, je nachdem man sich stellt, als im dreißigjährigen Kriege unversehens die Spa- niolen vor Oggersheim anrückten, flohen fast alle Einwohner nach Mannheim. Nur zwanzig Hausvater blieben zurück, und hatten das Herz, die Zugbrücke aufzuziehen und die Thore zu schließe». Es gehört nicht viel Herz zum Schließen, aber zum Oeffnen. Denn als der spanische Feldhanptmann Don Gonsalvo hinein trompeten ließ: „Wenn ihr bis Morgen um diese Zeit den Platz nicht ergebt, ließ er hinein trompeten, alsdann gebt Acht, wer am Leben bleibt, wenn ich den spanischen Sturmmarsch schlagen lasse und doch hinein komme.« Da sahen die Helden einander an und sagten:
^„Der Weg nach Mannheim ist doch der sicherste." Nur Einer dachte: „Was soll ich thun? Ich habe daheim ein ungetanstes Kind, das man noch nicht auö dem Hause unter den freien Himmel tragen darf. In GotteS Namen, ich bleibe da." Als nun die Andern alle sich geflüchtet hatten, und er noch allein in dem Städtlcin war, trat er mit einem weißen Fähnlein auf die Stadtmauer und rief in das spanische Lager: „Kund und zu wissen sei euch im Namen des Herrn Commandanten von Oggersheim, der Garnison und der ehrsamen Bürgerschaft! Ihr sollt uns versprechen, das Eigenthum zu schonen und unsern Gottesdienst unangefochten zu lassen. Wenn ihr dieses thut und halten wollt, so sollen euch in einer Stunde die Stadtthore geöffnet werden. Ich, der Trompeter." — Da sahen der Fcldhauptman» und seine Leute einander an. „Ja, Nein, Nein, Ja. Was sollen wir

