15

Melanie nahm mich nun vom Tische herab und stellte mich auf die Erde; ich reichte ihr bis unter den Arm, und da sie zehn Jahr alt war, könnt Ihr Euch vorstellen wie groß ich bin. Sie trug mich auch selbst in den Wa­gen, überschüttete mich mit Liebkosungen und Küssen, und wußte ihrer Mama tausenderlei über meine Zukunft zu erzählen.

Wir waren kaum zu Hause, als Melanie auch schon anfing für mich zu arbeiten. Ich erhielt zuerst ein Nacht­gewand, denn ich sollte alle Abende zu Bette gebracht werden. Das Bettchen wurde immer neben Melanies Schlafstube gerückt; ehe sie sich niederlegte, pflegte sie erst ihre Kleider zu ordnen, dann betete sie aber und sprach alles aus, was ihr Herz sichlte und ihr Kops dachte. Lieber Gott!" sagte sie heute,ich danke dir für alles Gute, das du mir gegeben hast, für den heutigen schönen Tag, für die vielen Freuden und auch für die schöne Puppe. Gib, daß alle Kinder so glücklich sein mögen als ich, und mach auch, daß ich mein Glück verdiene, und stets ein gutes Kind sei. Erhalte mir meine Mutter gesund, und alle Menschen gesund, Amen." Nach diesem Gebete sagte mir Melanie noch ein Mal gute Nacht und schlief dann ein. Sie schlief so ruhig, so sanft, die Wangen rötheten