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8. Ei» Knabe, ihm selbst gelassen (ungezogen), schändet seine Mutter.
Karl H. hatte gottlose Eltern, die ihm allen seinen Willen ließen, und Salomo sagt, Sprüche 29, 15: Ruthe und Strafe giebt Weisheit, aber ein Ungezogener, der ihm selbst gelassen ist, beschimpft seine Mutter. Schon als kleiner Knabe log und stahl er, fluchte und betrank sich. Er ging nicht zur Sonntagsschule, sondern tobte umber mit einer Cigarre im Munde, und suchte Händel mit andern Kindern. Er beging viele Schlechtigkeiten und wurde zuletzt ein Dieb. Er brach in ein Magazin ein und stahl Geld; er wurde ergriffen und in's Staatsgefängniß geführt, wo er mehrere Jahre lang bei schlechter Kost hart arbeiten mußte. Nachts wurde er in eine dunkle Zelle einsam eingeschlossen und hatte ein hartes Lager zum Schlafen. Morgens mußte er sehr früh wieder aufstehen und sich an schwere Arbeit begeben. Laut sprechen durfte er dabei gar nicht.
Seine Mutter besuchte ihn im Gefängniß und weinte bitterlich, als sie ihn in diesem elenden Zustande sah, — wie schlecht es ihm ging, wie elend er aussah — in einem Zuchthauskleide, mit einer Kette und eisernen Kugel am Bein, damit er nicht entlaufen könnte. Sie verbarg ihr Gesicht vor Scham und konnte es nicht länger mit ansehen, sie eilte vor Schmerz und Scham davon. Da ward erfüllet Salomo's Wort: „Ein ungezogener Sohn schündet seine Mutter." Hütte sie aber Ruthe und Strafe in seiner frühen Jugend gebraucht, so würde unter Gottes Segen ein anderer Mensch aus ihm geworden sein. Hätte sie ihm früh von Jesu gesagt und ihn in der Furcht des Herrn erzogen, so hätte sie gewiß diese Schande nicht erlebt, oder sich doch diesen Bor- wurf nicht machen können.
Wie dankbar sollen Kinder sein, welche fromme und treue Eltern haben, die sie in ihrer Jugend in Zucht halten, vor bösen Gewohnheiten bewahren, sie nicht sich selbst überlassen, Lügen und Stehlen streng bestrafen; Fluchen und Trinken, Cigarren und
dergleichen schon gar nicht dulden; die sie zur Schule, ke
zum Gebete und zur Frömmigkeit anhalten. So werden sie nicht in eine Zuchthauskleidung kommen und keine Kugel und Kette am Fuße schleppen müssen.
O Kinder! folgt euren Eltern und danket ibnen, wenn sie euch zum Guten anhalten und vor dem |
Bösen und Schlechten zu bewahren suchen. Das ist p
Gnade und viel größeres Glück, als Rcichtbum und a
alle Weltherrlichkcit. Ein wohl erzogenes Kind ist »
unendlich viel den Eltern schuldig, und kann Gott I
nicht genug danken. O denkt an den unglücklichen £
Jungen in seiner Züchtigungsanstalt, und an die £
traurige beschämte Mutter nur recht oft, bis es euch (
an allem Bösen und Schlechten ekelt, und ihr mit f
Gott den festen Entschluß fasset, recht fromm und gottselig, treu und gewissenhaft vor Gottes Angesicht j
zu wandeln und nie euch etwas Schlechtes und j
Gemeines zu erlauben. Da sehet ihr, wohin Jugend- j
fünden, Leichtsinn, Frevel und Ungehorsam führen: ,
in den Kerker, in Eisen und Bande —, in die Hölle!
Ein gutes Gewissen aber und unbescholtener Wandel, ,
Gottseligkeit und Treue machen frei und froh, daß ,
man heiter und selig gen Himmel blicken und mit allen Guten und Seligen sich freuen kann.
9. Das schöne Land jenseits der Berge.
Vater, Mutter und Arzt standen neben dem Bette des lieben Eddy und erwarteten seinen letzten Athemzug; aber plötzlich öffneten sich seine blauen Augen weit und klar, und ein liebliches Lächeln verbreitete sich über seine Züge; er sah um sich her, blickte auf seine Mutter und sagte mit sanfter, lieblicher Stimme: „Bkutter, wie heißt das schöne Land, das ich jenseits der hohen Berge sehe?" (Ps. 87 u. 121.) „Ich sehe nichts, mein Kind", sagte die Bkutter. „Sieh da, liebe Mutter", sagte er aufwärts zeigend, „dort sind die Berge, kannst du sie nicht sehen?" fragte er voll Erstaunen, indem seine Mutter das Haupt schüttelte. „Wie sind sie so nahe — so groß und hoch, und hinter ihnen sieht das Land so schön aus, und die Leute sind so glücklich — da giebt es
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