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brüstten die Rinder nnd der Reisende war voll Todesangst. Der arme Hirtenknabe aber fiel auf seine Kniee, faltete die Hände, hob seine Augen gen Himmel, betete und sprach: „Vater, du wirst mich doch nicht todtschlagen!" — Das Gebet ergriff den Reisenden so mächtig, daß er von Stund an anfing, Gott zu suchen, weil er deutlich einsah, daß nur die Gläubigen in allen Gefahren kindlich vor Gott treten und zuversichtlich zu ihm sagen können: Abba! lieber Vater!
22. Der Herzog und der Knhtreiber.
Vor einigen Jahren kaufte ein Herzog in England eine Kuh, die er in einem nahe gelegenen Dorfe gesehen hatte und die ihm gar sehr gefiel, und befahl, sie am nächsten Morgen auf sein Schloß zu senden. Die Kuh wurde gebracht, und der Herzog, auf seinem Morgenspaziergang durch's Gehölz, begegnete dem Knaben, der sich vergebens bemühte, die Kuh nach dem Gute zu treiben. Der Knabe, der den Herzog nicht kannte, schrie ihm zu: „Holla! ho! kommt und helft mir! Ihr seht ja, ich kann das Thier allein nicht vorwärts kriegen!"
Der Herzog, der sogleich merkte, daß der Junge ihn nicht kannte, wollte sich einen Spaß mit ihm machen. Er that deßhalb, als verstehe er ihn nicht und ging langsam weiter. Der Knabe schrie unaufhörlich um Hülfe, und augenscheinlich sehr betrübt und verlegen sagte er: „So kommt doch nur, steht mir bei, ich will euch auch die Hälfte von meinem Trinkgeld geben." Das hatte den gewünschten Erfolg, der Herzog half dem Knaben. „Was denkst du denn für deine Mühe zu bekommen?" fragte der Herzog, indem sie das Thier vor sich Hintrieben. „Ich weiß es nicht", antwortete der Knabe, „ich erwarte aber ein gutes Trinkgeld, denn die Leute, die dort im Schlosse wohnen, solle» gegen unser eins sehr gut und freundlich sein."
Als sie sich nun dem Schlosse näherten, verließ der Herzog den Knaben und gelangte auf einem Nebenwege iu's Schloß. Er rief den Diener und gab ihm einen Sovereign (7 Thlr.) und sagte ihm:
Gieb das dem Knaben, der die Kuh gebracht hat. Der Herzog aber kehrte in das Gehölz zurück und begegnete bald dem Knaben wieder. „Na", sagte der Herzog, „was hat es gelohnet?" — „Einen Schilling" (10 Sgr.), sagte der Knabe, „hier nehmt einen halben Schilling." „Hast du wirklich nicht mcbr als einen Schilling erhalten?" fragte der Herzog. „Nein, ich versichere euch hoch und theuer — denkt ihr denn nicht, daß es ein gutes Trinkgeld sei?" „Das finde ich nicht", sagte der Herzog, „das wird ein Irrthum sein, Wd da ich mit dem Herzog gut bekannt bin, so denke ich dir mehr zu verschaffen, wenn du mit mir zurückkehren willst."
Der Knabe war es zufrieden und sie gingen zurück. Der Herzog zog die Glocke und befahl seiner ganzen Dienerschaft, vor ihm zu erscheinen. „Nun", sagte der Herzog, „zeige mir den Mann, der dir den Schilling gab." „Es war der Mann mit der Schürze", erwiderte er, auf einen Bedienten zeigend. Der Verbrecher bekannte sein Vergehen, fiel auf die Kniee und versuchte eine Entschuldigung zu stammeln; aber der Herzog unterbrach ihn, befahl ihm unwillig, dem Knaben den Sovereign zu geben und augenblicklich seinen Posten zu verlassen. „Du hast", sagte der Herzog, „durch deine schändliche Habsucht deine Stelle und Ehre verloren, lerne für die Zukunft, daß Ehrlichkeit die größte Klugheit ist."
Der Knabe erkannte nun mit Erstaunen und Beschämung, daß ihm der Herzog selbst bei der störrigen Kuh geholfen hatte; und dieser war so sehr erfreut über die Ehrlichkeit des Knaben, daß er ihn in eine Schule schickte, dort unterhielt und für seine Zukunft sorgte.
Wißt ihr wohl, liebe Kinder, wer aus Habsucht und Geldgier aussätzig wurde? — und wo steht es: der Geiz ist die Wurzel alles Uebels?
23. Ein frommer Kuabe.
„Weßhalb hast du dir nicht einige Birnen genommen?" sagte ein Knabe zu einem andern; Niemand war da, der es hätte sehen können. — „O ja,

