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wenn sie asten, so rührte die Aeltere nichts an, bis die Kleine satt war. Frau Wilson lehrte sie den Heiland kennen und lieben; sie wurden getauft, die Aeltere Priszilla und die Kleinere Rhode genannt. Diese wurde ein so liebes Kind, dast sie, erst fünf Jahre alt, ffchon für den Himmel reif war. In ihrer Krankheit hörte man sie nie murren, in den größten Leiden ließ sie sich die Lieder vorsingen: Dort oben ist ein Land, voll Freud' und Liebe, wo sromme Kinder, wenn sie sterben, von Engeln auf­genommen werden re. Eine Woche vor ihrem Ende wurde sie blind, sagte aber doch, sie wäre ganz selig. Priszilla wuchs auf und ist nun in der Mis­sion thätig. Wenn sie sich gleich nie satt, und ihrer kleinen Schwester selbstverleugnend mehr gönnte, als sich selbst, so hat sie sie doch überlebt, und sich nützlich gemacht im Reiche Gottes. Liebe ist schöner als der Neid. Hast du viel zu offen, steck es lieber in deines Bruders oder deiner Schwester Mund. Das ist Liebe, wie Jesus liebte, der arm wurde, damit wir reich werden.

80. Fiirbittt.

Rei dem flemi findet man Hilfe und Segen über dein TJosll.

Als am Samstag Abend eine Mutter ihren kleinen Knaben zu Bette begleitete, und eben mit ihm uiederkuieen wollte, fragte der kleine Eduard: Mutter, unser Lehrer hat gesagt, wir sollen für ihn beten; was muß ich denn dem lieben Gott sagen, wen» ich für ihn beten will? Nun mein Kind, wie du für deinen Vater und für deine Mutter bittest, so kannst du auch um Gaben für den Lehrer bitten. Du mußt dich selbst besinnen, was du ihm für Segnungen von Gott erflehen willst. Das Kind dachte ein wenig nach, und fragte weiter: muß ich zum lieben Gott sagen: Ich bitte dich für unsern Lehrer und Freund, Herrn Carl Christian Bauer? Mutter: Du darfst so sagen, aber es ist nicht nöthig: Gott kennt alle mit Namen, und wir sagen ihm nicht die Titel und Namen unserer Lehrer, sondern

wir nennen sie Knechte Gottes. Hierauf kniete das Kind mit seiner Mritter nieder, betete sein ge­wöhnliches Gebet, und fügte noch mit großem Ernst hinzu: Herr, segne auch deinen Knecht, unsern lie­ben Lehrer! Gib ihm Kraft und Weisheit; schenke ihm Geduld und Sanflmuth, und erhalte ihm den freudigen Geist, den du ihm geschenkt hast. Hilf ihm reden, was für uns taugt, und erleuchte mei­nen Verstand, daß ich es faffen möge. Segne auch die Kinder der armen Heiden, welche dein Wort hören, und laß sie uns einst alle im Himmel fin­den. Amen.

31. Der Muttersege».

Ehre Vater und Mutter, auf daß dir's mahtgehe.

Ein frommer Mann erzählte aus seiner Ju­gendgeschichte folgenden Zug. Ich war ein kleiner Knabe, als meine Mutter starb. Von da an war ich ohne Aufsicht und Erziehung, und blieb meiner eigenen Führung überlaffen. Meine selige Mutter hatte bei ihrem täglichen Morgen- und Abendge­bet die Gewohnheit, mich so »eben sich knien zu laffen, daß sie beim Gebet ihre rechte Hand auf mein Haupt legte. Ich verstand noch nicht, was sie betete, denn sie starb, ehe ich noch einen Unter­richt im Wort? Gottes von ihr hatte erhalten kön­nen. Ihr Knaben werdet es aus eurer eigenen Erfahrung wissen, wie die Lust zum Bösen in den jungen Herzen aufwacht. So ging es auch mir. So oft ich den Reiz zur Sünde empfand, so fühlte ich auch etwas wie einen leisen Druck von einer sanften Hand auf meinem Haupte, und das hielt mich von der Ausübung des Bösen zurück. Als junger Mann reiste ich in fremde Länder, und war damals manchen Versuchungen ausgesetzt. Aber so oft mir ein Fall drohte, so war auch wieder die Hand da, die mich zurück hielt. Durch die Empfindun­gen vo» dieser Hand fühlte ich mich in die süßen Tage der kindlichen tlnschuld zurückversetzt, und oft glaubte ich meiner Mutter Stimme zu vernehmen: o Kind, thue nichts Böses, und sündige nicht wi­der deinen Gott.

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