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34. Kluger Blick.

Ein weiser Mann erzählt von sich: Ich habe ! mich in keiner Widerwärtigkeit sehr gegrämt, es mochte mir auch noch so schlimm ergehen, als es wollte, außer ein einziges Mal, als ich barfuß gehen mußte, weil ich nicht so viel Geld hatte, mir Schuhe zu kaufen. Ich ging ganz traurig in den Tempel und traf hier einen Menschen, der keine Füße hatte. Als ich ihn sah, war ich mit meinen bloßen Füßen gern zufrieden, und ich dankte meinem Gott berzlich, daß ich, wenn schon ohne Schuhe, doch gehen konnte. Der unglückliche Mensch wäre ja gern barfuß gegangen, wenn er nur Füße ge­habt hätte.

Geht dir's übel, so kehre deine Augen zum Guten und gedenke, wie gottesfürchtige Herzen thun, daß du die Augen abkehrest vom Unglück, und wendest sie über sich zu einem größer» Glück.

35. Eine Geschichte aus der Gemeinde.

In einem pommerschen Koloniedorfe hat der Schulze einen 90 Jahr alten Vater im Ausgedinge. Der alte Mann lebt ihm zu lange, und als im Frühlinge dieses Jahres die knappe Ernte des vorigen Jahres die Vorräthe auf die Neige gehen läßt, da wird das Stücklein Brod, welches er dem Vater geben muß, ihm so schwer, daß er den Greis mit eigener Hand zum Hause hinaus auf die Straße setzt und die Thür vor ihm zuschließt. Fremde Hände führen den Ausgestoßenen zu einer Tochter, die selber in Kummer lebt, aber ihr Kämmerlein mit dem Vater zu theilen nicht verdrossen ist. Doch, was der Mensch säet, das muß er ernten. Der dürre Sandacker giebt in diesem Jahre noch weniger Korn, und obgleich ein Esser weniger im Hause, Brod ist deshalb nicht mehr. Und weiter. Nach der Ernte verheirathet sich eine Tochter des Schulzen. Der Sohn hat zur Hochzeit Musik bestellt, ohne Wisien des Vaters. Der Vater zankt darüber mit dem Sohne und droht, er werde Musikanten und Tänzer zum Hause hinausschaffen. Wart, spricht

der Sohn, ich will dir zeigen, was ich von dir gelenit habe, und zu der Gesellschaft: Ich werde den ersten Tanz mit meinem Alten aufführen. Und der Sohn nimmt den Vater beim Kragen, stößt ihn aus dem Hause und treibt ihn mit einem Stock vor sich her um das Haus herum und die Musikanten müssen nach vorertheilter Anweisung zu diesem Tanze aufspielen.

Was hat nun der Pastor zu diesen Gräueln gesagt? so fragte ein Reisender, der diese Geschichte im Dorfe erzählen hörte. Ach, unser Pastor wohnt eine Meile weit von hier und ist noch gar nicht bei uns gewesen!

36. Josiah, oder frühe Frömmigkeit.

Liebe Kinder! da auf dem Bilde seht ihr einen Knaben, dem der Hohepriester die Königskrone auf­setzen will; es soll Josiah sein, der viele Jahre lang König von Judäa war. Ein König hat große Macht und muß regieren und befehlen. Wer aber recht befehlen will, der muß erst recht gehorchen lernen. Das müßen wir Alle, denn nichts ist schöner, als ein demüthiges, gehorsames Kind. Aber den Königskindern wird es oft schwer gemacht, Gehorsam zu lernen, weil sie von Jugend auf von so vielen Leuten umgeben sind, die Alles thun, was sie wünschen. Da ist's denn Gnade von Gott, wenn solch ein Königskind Eltern hat, die es erziehen in der Zucht und Vermahnung zum Herrn, wenn es einen Vater hat, der das Wort kennt:Wer seinen Sohn lieb hat, der züchtigt ihn."

Das verstand der Prinz Albert, der Gemahl der Königin von England. Sein Sohn, der Prinz von Wales, künftiger Thronerbe Großbritanniens, stand eines Tages, im 6. Jahre seines Alters, am Fenster und schaute, statt seine Lection zu lernen, in den Garten, und spielte mit seinen Fingern an den Scheiben. Seine Gouvernante, das fromme, ernste Fräulein Hylliard, bat ihn freundlich, an das Lernen seiner Aufgabe zu denken.Ich mag nicht," sagte der Prinz.Dann muß ich Sie in