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nach Hause und ging in meiner Mutter Kammer; sie sah blässer aus als gewöhnlich, doch warf sie mir dasselbe liebreiche Lächeln zu, wie allemal, wenn ich kam. Ach, ich muß ein Stein gewesen sein, daß ich nicht in Thränen zerfloß. Sie bat mich, ihr ein Glas Wasser zu holen. Verdrießlich fragte ich, warum sie es nicht die Magd holen laße. Mit einem sanften, verweisenden Blick, den ich nie ver­gessen werde, wenn ich auch hundert Jahre alt würde, erwiederte sie:Will meine Tochter für ihre anne kranke Mutter kein Glas Wasser holen?" Ich schwieg und holte Wasser doch nicht mit freund­licher Miene. Anstatt lächelnd sie zu küssen, wie sonst, setzte ich das Glas eilig hin, ging weg und wollte mich schlafen legen; als ich aber in meiner dunklen Kammer allein war und an die zitternde Stimme und das blasse Angesicht der Mutter dachte, konnte ich nicht schlafen, schlich mich in ihre Kammer, um sie um Verzeihung zu bitten. Sie schlummerte und man sagte mir, ich dürfe sie nicht wecken. Früh Morgens wollte ich gleich zu ihr gehen und ihr sagen, wie leid mir mein Be­tragen sei. Ich eilte in ihr Zimmer aber sie war nicht mehr! Sie lächelte nicht mehr zu mir, sprach nicht mehr. Ihre Hand, die so oft auf meinem Haupte lag und mich segnete, war so kalt, daß ich zurückbebte. Ich schluchzte und dachte: Ach, daß ich sterben und mich mit ihr begraben laffen könnte! Ich möchte Welten darum geben, wenn ich sie noch hätte und sie um Verzeihung bitten könnte. Und so oft ich an sie denke, beißt mich die Erinnerung wie eine Schlange und sticht wie eine Natter.

Was ist mehr werth als Freundlichkeit und Gefälligkeit? Antwort:Gehorsam."

45. Der vierbliittrige Klee.

Ein frommer Landmann ging eines Sonntags in Begleitung seiner Kinder nach dem Gottesdienste in die Felder, um deren Wachsthum zu bewundern. Hoch stand das blühende Korn, dicht der schwere schon in Aehren schießende Weizen und die fetten Wiesen glichen einem vor Ueppigkeit quellenden Beete voll

der herrlichsten duftenden Blumen. Der gute Vater freute sich über den reichen Segen Gottes und dankte dem Herrn in stillem Gebete dafür. Seine Kinder aber gingen am Rande der Wiese hin und suchten eifrig im Grase. Endlich bemerkte es der Landmann; er näherte sich ihnen und sah ihnen eine Weile zu. Dann sprach er:Kinder, nach was sucht ihr denn so eifrig?"

Wir suchen vierblättrigen Klee," antworteten sie, Anna Liese hat gesagt, wer solchen fände, hätte in Allem Glück!"

Also vierblättrig, vierfach, meint Anna Liese, muß das Blümchen sein, welches Glück bringt," sagte der Vater lächelnd; o nein, siebenblüttrig, siebenfach ist das rechte, und auf der Wiese darf man es freilich auch nicht suchen."

Was ist das für ein Pflänzchen und wo finden wir es, Vater?" riefen die Kinder.

Es muß im Herzen blühen, Kinder; es ist das heilige Vaterunser mit seinen siebe» Bitten. Das betet täglich oft und andächtig in eurem Herzen, daß es stets frisch daraus hervorblühe; das Blümlein des frommen Gebetes bringt Glück und Segen!"

46. Tic Tretmühle.

An einem recht freundlichen Herbsttage machte ein Lehrer mit seinen Schülern einen Spaziergang ins Freie. Durch die meist schon abgeräumten Felder sprangen die fröhlichen Knaben lustig dahin, und der gute Lehrer freute sich selbst ihrer harmlosen Jugendlust. Endlich näherte man sich einem Hofe, aus dessen großen Gebäuden es wie das einförmige Klappern einer Mühle drang. Die Knaben sprangen an das offene Thor des Gebäudes. Da saß aus einem Bund Stroh ein kleiner Knabe mit einer Peitsche; innen aber sah man einen starken Ochsen, der, mit den Hörnern und verbundenen Augen an einen Balken gebunden, 7>uf einer Drehscheibe ging, die er mit den Füßen ringsum bewegte.. Der Knabe aber sah darauf, daß das Rind immer fleißig und anhaltend seine Arbeit fortsetzte.