eingestanden, und es schadete ihnen nichts, daß sie eingesperrt wurden.
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68. Wer glücklich wird, denke stets an die Zeit, wo er es noch nicht gewesen.
Mehcmed Ali, der Vicekönig von Egypten, war der Sohn ganz armer Leute in Kavala, in der türkischen Provinz Macedonien, woselbst noch eine Menge Verwandte von ihm am Leben sind. Aus so niederem Stande hatte sich dieser Mann zum höchsten Rang der Türkei aufgeschwungen; er beherrschte die schönste und reichste Provinz des türkischen Reiches, war ein fast unabhängiger Fürst, und genoß sehr bedeutende Einkünfte. Seinen Nachkommen aber wußte er die Nachfolge in der Regierung zu sichern, so daß sie jetzt unbestritten den von ihrem Vater ererbten Thron besitzen.
Nie aber vergaß Mehemed seiner niedern Herkunft; statt sie zu verläugnen, rühmte er sich vielmehr derselben öffentlich und erzählte oft fremden Fürsten und Gesandten bei Tafel Geschichten aus seiner Jugend. Wenn ihn Verwandte besuchten, nahm er sie liebreich auf, unterhielt sich mit ihnen in gewohnter Vertraulichkeit und erinnerte sich gern an die armseligen Verhältnisse, in denen er früher zu den Seinen gestanden. Er unterstützte seine Angehörigen, daß sie etwas zu lernen im Stande waren; aber weiter that er nichts für sie. „Sie sollen nun sehen, wie sie durch eigene Kraft emporkommen; mir hat auch Niemand aufgeholfen!" pflegte er zu sagen. Nach Kavala aber schickte er einen Baumeister, um die Häuser, welche im Verfall waren, repariren zu lassen; um sein kleines Geburtshaus aber ließ er eine Mauer aufführen und es wird innerhalb derselben in dem Zustand erhalten, wie es war, als er darin geboren wurde.
69. Die kleine Missionärin.
Die kleine Elise saß gern allein in einem Bnche lesend, betete und dachte nach über sich selbst, über
ihres Heilandes Leiden, der für die ganze Welt gestorben ist, und daß noch so viele Menschen Heiden sind und von Christo nichts wissen. Das jammerte sie; darum sagte sie einmal zu ihrer Tante Marie: „Ich möchte eine Missionärin werden, Onkel William ist ja auch Missionär; denkst du wohl, daß er mich mitnehmen würde?" — „Und Mama wolltest du verlassen?" sagte eine freundliche Stimme hinter ihr. „O nein, Mama, das hatte ich ganz vergessen, ich könnte dich nie verlassen; und doch möcht ich wohl eine Missionärin werden." — „Und wenn du eine wärest, was wolltest du dann thun?" „Ich würde den kleinen Kindern vom sanftmüthigen Jesu erzählen, wie Er sie liebt; ich würde sie lehren, wie sie Ihn lieben und so in den Himmel kommen können." — „Nun ja, du sollst eine Missionärin werden, aber könntest du nicht zu Hause damit anfangen? Du kannst deinem Bruder ein gutes Beispiel geben: wenn du recht gehorsam und liebreich bist, wird er dir nachfolgen. Du kannst ihn Lesen, Sprüche und Lieder lehren, ihm schöne Geschichten aus der Bibel erzählen, die du so lieb hast."
O danke, liebe Mama, ja das kann ich thun, gieb mir einen schönen Vers, den ich Willi lehren kann." — „Lehre ihn den Spruch: Kinder, liebet einander!" Elise sah ernsthaft aus, denn es fiel ihr ein, daß sie oft verdrießlich wurde, wenn Willi sie neckte, und gänzlich vergaß, daß ein solches Gebot der Liebe in der Bibel stehe. Doch suchte sie den Willi auf, setzte sich zu ihm hin, lehrte ihn den Spruch und erklärte ihm denselben auf ihre einfache Weise.
Die arme Elise! Der schön begonnene Tag sollte nicht so enden. Als sie nach Tisch in die Kinderstube kam, fand sie Willi auf dem Fußboden sitzend, damit beschäftigt, Blatt für Blatt aus ihren schönen „biblischen Geschichten" herauszureißen. „O Willi! Willi! du unartiger, böser Junge!" rief sie, „wie kannst du mein Buch so verderben!" Ihr Gewissen erinnerte sie zwar: „Kinder, liebet einander!" aber Elise hörte nicht auf zu schelten bis sie sah, wie traurig ihre Mutter darüber war und sie die-

