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holt selbst Euer Waffer? Wozu tragt ihr eine Laterne, da Ihr doch blind seid?" sragten die Kinder. Die alte Frau, welche die kleinen Mädchen an der Stimme erkannte, erwiederte freundlich: „Ich bin so genan mit dem Weg zum Brunnen bekannt, daß ich alles Wasser selbst da hole; die Laterne trage ich aber, damit mich die Leute sehen, nicht an mich stoßen und meinen Krug zerbrechen.
79. Da capo.
Dieses Wort heißt zu Deutsch: Noch einmal! und ist einmal von einem Pfarrer ganz klug angewendet worden. Denn als Friedrich der Große einst in einem Dorfe anhielt, um zu frühstücken, erschien der Pfarrer und begrüßte ihn mit einem hübschen Gedicht. Das gefiel dem Könige so wohl, daß er sagte: da capo! der Pfarrer sagte das Gedicht noch einmal her und der König gab ihm 4 Goldstücke zum Geschenk. Der Pfarrer aber sagte nun auch: da capo! und erhielt auf diese Weise das Geschenk noch einmal.
80. Das Fabrikmädchcn.
Wer das erste Mal die großen, vielfenstrigen Faktoreien einer Fabrikstadt, z. B. Manchester, sähe und gerade dann, wenn die vielen Mädchen, welche da arbeiten, hin- und zurückgehen: der würde sich wundern über die Menge derer, die da angestellt sind. Wer von einer Höhe herab Alles überblickte, möchte glauben, einen großen Ameisenhaufen vor sich zu sehen, zu und von welchem Tausende der menschlichen Ameisen in langen Reihen durch alle Straßen sich bewegen. Viele von diesen jungen Arbeitern in den Faktoreien gehen auch in die Sonntagsschule; arme Mädchen, kränklich und nicht stark genug zur Arbeit, gehen dann auch in der Woche in eine Schule oder zu einem Lehrer, um etwas zu lernen. Dies war der Fall mit der armen Alice Horton, die ganz niedergeschlagen zu ihrem Lehrer hinwankte, wo mehrere solcher Mädchen sich zum Privat-Unterricht versammelten. Ach, sie hatte
genug, was ihr Herz schwer machte. Ihre Mutter w^r eine arme Wittwe, die sie wenig unterstützen konnte, so daß, wenn Alice kränklich war und nicht in die Fabrik gehen konnte, es schwer für sie war, sich Effen und Kleider zu verschaffen. Doch wie wurde ihr so leicht um's Herz, als bei ihrer Ankunft in der Schule der Lehrer zu ihr sagte: „Mein liebes Kind, ich habe jetzt einen Platz für dich bei einer der besten Damen, die ich kenne; sie fürchtet Gott, sie wird dich mit Güte behandeln und dich Alles lehren, was dir nöthig ist, ja sie wird auch für deine Mutter sorgen."
So viel Gutes auf einmal und so unerwartet, erregte bei Alice Thränen der Freude. Welche Last war ihr abgenommen und welche frohe Neuigkeit nahm sie mit nach Hause! Auf dem Heimwege wiederholte sie immer den Bibelspruch: „Er thut, was die Gottesfürchtigen begehren; er hört ihr Schreien und hilft ihnen." Und welche Freude brachte sie ihrer armen Mutter mit der guten Nachricht! —
81. Das Kleinod.
Es stand am Rande eines Schiffes auf dem Meere ein Mann mit einem Kleinod spielend, was mehr als Millionen werth war; sonst besaß er nichts, aber das allein hätte genügt, ihn für immer glücklich zu machen. Aber er spielte damit wie mit einem Ball, warf es in die Höhe und fing es wieder auf, wie ein Knabe. — Gewarnt von Freunden, so könne und werde er das Kleinod verlieren, lachte er und fuhr fort damit zu spielen. Und noch einmal wirst er's wieder in die Höhe und — da liegt's im Abgrund des Meeres. In Verzweiflung ruft er aus: ich habe nun Alles verloren — hin ist hin! Verloren für immer! —
Dieser Mensch bist du, liebes Kind! wenn du die kostbare Gnadenzeit verträumst, wenn du die Gnade nicht bewahrst. Deine Seele ist dein Kleinod,
! mehr als Millionen werth, unschätzbar. Die ganze Welt ist nicht schwer genug, dieses Kleinod oder das Heil deiner Seele zu kaufen.

