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82. Zwei redliche Männer.
Ein reicher Edelmann hatte eine große Jagd veranstaltet und bei dieser Gelegenheit war einem seinem Pächter ein Saatfeld fast ganz niedergetreten worden. Der Mann kam nachher zu dem Edelmann und klagte ihm seinen Schaden, der mehr als 30 Thaler betrüge. „Hier habt Ihr fünfzig!" sagte der Edelmann; nun geht getrost heim, es soll künftig nicht mehr geschehen!" Der Landmann dankte gerührt und ging fröhlich nach Hause. In Folge besonders guter Witterung und anderer günstiger Umstände erholte sich aber das Saatfeld dermaßen, daß es bis zur Ernte eines der besten Grundstücke ward und reichen Ertrag abwarf. Da eilte der Landmann zu dem Edelherrn und brachte ihm das erhaltene Geld wieder. „Ei," sagte der Graf, „wie dürfte ich dieses Geld wieder nehmen, da ich doch Euren Schaden nur vergütet habe, der liebe Gott aber an Eurem Felde ein sichtbares Wunder gethan? Nein, geht getrost heim und wenn ihr wollt so thut den armen Leuten dafür etwas Gutes.
83. Anna und die Nähkisscn.
Anna S. war die Tochter eines Fischers, der bei seiner Arbeit mit einem Boot umgeworfen ward und ertrank. Die arme Waise ging einmal zu einer Missions-Versammlung, bei welcher der Prediger zu milden Gaben aufforderte, um die Bekehrung der Heiden zu ermöglichen. Anna kam nach Hause und fragte ihre Mutter: „Wie kann ich helfen Missionare zu den Heiden senden?" Die Mutter antwortete: „Wenn du Nähkiffen machst und sie verkaufst, so magst du etwas dazu beitragen können." Anna fing sogleich an, Nähkiffen zu machen, und bald hatte sie 3 Thlr. 10 Sgr. dadurch gewonnen, die sie der Missionsgcsellschaft übergab, um den Heiden Bibeln und Prediger zu senden. Der Geistliche hörte von der kleinen Anna, daß sie sehr krank wäre, deshalb besuchte er dieselbe; sie war sehr froh, als er kam; denn, sagte sie, ich höre gern von den
Missionen und liebe Jesum, weil Er so gut gegen mich ist, und ich möchte, daß die Heiden Ihn auch lieben. Er sagte: Laffet die kleinen Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Himmelreich; darum möchte ich auch gern zu Ihm gehen und mit allen seligen Geistern der Kinder im Himmel Ihn loben und preisen. Im Bilde seht ihr, wie die Mutter sitzt und ihr aus der Bibel vorliest, was sie sehr erquickte und stärkte in ihrer Krankheit. Sie starb auch bald und auf ihrem Grabe stand: „Anna S., 12 Jahre alt. Sie starb in Frieden, dankend, daß Gott ihr Seinen Sohn geschenkt hat."
84. Die gehorsame Nelly.
Nelly Vanmer, 10 Jahre alt, war ein so gehorsames Kind, daß, wenn ihr etwas befohlen wurde, sie nie fragte: „Warum?" sondern sie stand auf und that's. Nach ihrem Tode entdeckte man in ihrem kleinen Testament, das sie immer in ihrer Arbeitstasche bei sich trug, mehrere ihrer Lieblingsstellen angesttichen, die Stelle Kol. 3, 20 sogar doppelt; diese heißt: „Kinder, seid gehorsam euem Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig." Alles, was die Eltern befehlen, muß euch gefallen, weil Gott befiehlt: gehorchet euern Eltern in allen Dingen. (Versteht sich, was nicht Sünde ist; was Gott verboten hat, darf man nicht thun.) Wenn Nelly etwas sehr wünschte und die Mutter schlug es ab, so wiederholte sie die Bitte nicht, denn das würde Ungehorsam sein, dachte sie. Ihre Gesundheit war sehr schwach; sie mußte fast immer im Bette liegen und selbst an schönen Tagen sehr vorsichtig sein. So gern sie sich den fröhlich spielenden Kindern zugesellt hätte, so war es ihr doch ein größeres Vergnügen, zu gehorchen. So blieb sie bis an ihren Tod, dem sie sehr selig und freudig entgegen ging, da sie als ein gehorsames Kind zum Heiland eilte.

