46

89. Kinder-Gebet vermag viel.

Es ist in einigen Kindcr-Anstalten Sitte, nach dem Vaterunser noch Folgendes zu beten:Bitte, lieber Gott, segne meinen lieben Vater und meine theure Mutter, meine Bruder und Schwestern, segne mich und mache mich zu einem guten Kinde, Amen." Ein Mann, der gewohnt war, betrunken nach Hause zu kommen, lästerte dann immer sehr und schlug seine Frau und Kinder. Einmal nun, wie das wieder geschah, stand mitten im Lärm ein vierjäh­riger Knabe vom Bette auf und sagte:Bitte, Vater, schlage nicht die arme Mutter!" Die Antwort war: Geh weg, du Taugenichts, oder du kriegst auch eins!" worauf der kleine Fürbitter wieder in sein Bettchen kroch. Da er indeß hörte, daß seine Mutter fortwährend weinte, stand er auf, kniete an seinen: Bettchen nieder, wiederholte das Vaterunser und setzte hinzu:Bitte, lieber Gott, segne meinen lieben Vater und Mutter und mache Vater zu einem guten Vater. Amen." Dies einfache Gebet drang dem Trunkenbolde ins Herz, seine Heftigkeit horte augen­blicklich auf, vor Scham bedeckte er sein Angesicht mit dem Bettlaken. Der Eindruck blieb auch noch am folgenden Morgen und wurde immer tiefer er ward ein ganz anderer Mann. Seit der Zeit lebte die ganze Familie sehr glücklich, und der Mann selbst erzählte oft seine Geschichte, wie Gott ihn durch das Gebet seines Kindes von seinen bösen Wegen zu sich geführt hatte.

90. Der Missions-Biichdriicker.

In einer gewerbreichen Gebirgsgegend hatte ein christlicher Buchdrucker, der viele Bücher für Missio­nen und für Kinder druckte, an den Sonntagabenden eine Anzahl Knaben zu sich eingeladen, denen er vom Herrn Jesu erzählte und die er im Worte Gottes unterrichtete; um näher mit seinen Schülern und ihren Familien bekannt zu werden, erkundigte er sich nach ihren Wohnungen. Einer der Knaben erwiederte:Ach Herr, mich werden Sie niemals finden; ich wohne unter der Erde in einer ganz

finstern Grube, welche ich nur des Sonntags ver­lasse, um in die Schule zu kommen." Es war dies in einem nahe gelegenen Steinkohlenbergwerke. Der Lehrer erwiederte, daß ihn dies nicht abhalten würde, ihn zu besuchen. Kurze Zeit darauf erfüllte der Buch­drucker sein Versprechen. In einem Korbe in die Grube gelassen, trifft er unten seinen Schüler, der freudig ausruft:O mein Herr! Sie haben Wort gehalten, wie gut sind Sie!" Der Knabe ergriff ein Licht und eilte voran in einen Gang, rufend:Kommen Sie hierher, kommen Sie!" Nun führte er seinen Lehrer in den unterirdischen Räumen umher, bis sie zu einem abgelegenen Theile der Grube kamen, der einem kleinen Saale ähnlich war und in welchem Steinkohlenblöcke eine Reihe von kunstlosen Sitzen bildeten.Mein Herr," sagte der Knabe,ich wollte Ihnen dieses Zimmer zeigen, denn es ist unser Betsaal. Hier kommen wir Kinder zusammen, ich lese ein Kapitel aus dem Reuen Testamente vor und suche es, so gut ich kann, zu erklären; ein Gebet wird zum Schlüsse gesprochen." Als der Buchdrucker auf dem Rückwege die Oeffnung hinaufklettern wollte, welche zum Eingänge diente, hielt ihn der Kleine noch am Arm zurück und sagte:Mein Herr, sehen Sie hier noch unsere Missionsbüchse." Es >var dies eine kleine Vertiefung, welche die Kinder in die Steinkohlen gemacht hatten.Aber," sprach der Lehrer,wie könnt ihr Geld in einem unverschlossenen Raum aufbewahren? Nimmt man es euch nicht weg?"O nein," sagte der Junge,das Geld ist des Herrn, Niemand wird es anzurühren wagen. Wenn die Büchse voll ist, bringen wir's der Mission. Wir haben sie schon einmal geleert, es waren 3 Thlr. darin." Der Buchdrucker eilte wieder dem Lichte der irdischen Sonne entgegen, Gott preisend, daß die Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit noch Heller leuchten und noch tiefer, als das Tagesgestirn, selbst in die dunkelsten Tiefen der Erde hinabdringcn.

91. Der Sabbathbrcchcr.

Seht, da auf dem Bilde steht ein Arbeitsmann, der gewöhnlich den Sonntag durch Arbeit gebrochen