„Ja, freilich, Ali, ich kenne dich schon, du bist ein dankbares Geschöpf und nimmst ein Stück Brod eben so willig aus meiner Hand, wie in besseren Tagen ein Stück süßen Zuckers! Ach, Ali, werden je diese Tage zurückkehren nach dem Tage da bei Jena, wo die verwünschten Franzosen unsere preußischen Bajonette zurückwarfen! Ach! Ach! Ach, Ali, welch ein Tag! Ach, daß ich diese Schande erleben mußte! Ach, daß ich sehen mußte mit diesen meinen Augen, daß die tapfern preußischen Bataillone links um machten und dem Feinde den Rücken zudrehten ! Und was für einem Feinde! Diesen lumpigen Franzosen, die wir bei Roßbach mit der Reitpeitsche in die Flucht jagten! Ach, ach, wenn bei Jena der alte Fritze gewesen wäre, wenn er das gesehen hätte! Acki, in seinem Grabe muß er sich umdrehen! Aber freilich, freilich, wenn Er dagewesen wäre, da wär's auch anders gekommen, ganz anders! Wir Soldaten sind nicht schuld an dem Unglück — wir nicht, wir wahrhaftig nicht! Rein, nein, die alte Tapferkeit war wohl da, aber der alte Fritze, der fehlte uns! Wir haben wohl eben so wacker d'rauf geschlagen, wie in den sechsziger Jabren, aber das Kommando fehlte, und der alte Fritze fehlte, und der alte Ziethen fehlte, und da der Seidlitz und die anderen Generale! Nur der Braunschweiger war da, und der war der Alte nicht mehr! Ach, die Schande, die Schande, die nun den ehrlichen preußischen Soldatenrock befleckt! Ach, mein Heiland, mein Heiland!"
Im ausbrechenden Schmerze bedeckte der alte Mann, der selber die preußische Uniform trug, und mit Ehren trug, wie mehrere Schmarren und Narben bewiesen, die sich in seinem Gesichte um den weißen Schnurrbart herum kreuzten, sein Gesicht mit den Händen und stöhnte aus tiefster Brust, und wer recht scharf hingeschaut hätte, der hätte wohl gesehen, wie ihm die hellen Thränen zwischen den Fingern durchdrängen und auf den alten grauen Reitermantel wie blitzende Perlen niederfielen. Der alte Mann schluchzte und weinte wie ein Kind, und der bittere Schmerz über die Niederlage, die erlittene Schmach.

