schüttelte krampfhaft seine lange, hagere, aber noch immer kraftvolle und rüstige Gestalt.
Das dauerte so wohl einige Minuten. Plötzlich wieherte der Schimmel leise, drehte den Kopf nach seinem Herrn um und legte ihn schmeichelnd auf dessen Schulter. Bei der Berührung fuhr der alte Soldat auf, blickte zärtlich den Schimmel an, schlang die Arme um den Hals desselben und drückte ihm einen Kuß auf die breite Stirn.
„Recht, Ali!" sagte er mit wieder frischer und wüthiger Stimme. „Ich sehe wohl, du willst mich trösten, damit ich nicht die Courage verliere! Will's auch nicht, Ali! Gibt ein altes, gutes Sprüchwort, Ali, heißt: „Heute mir, morgen dir!" Und ich will an dem Sprüchwort fenhalten, und mich an ihm aufrichten, und hoffen zu Gott dem Herrn, daß er unser herrliches tapferes Preußenland nicht wird untergehen lassen! Wollen warten, Ali, bis die Zeit kommt, wo die Reihe wieder an uns ist! Wird schon kommen, die Zeit!, Ist ja kein Kinderspiel, die alte preußische Kriegslehre und Hcldenhaftigkeit!. Merden's erleben, Ali, du und ich, obgleich ich nur noch ein altes, wackeliges Gerüste bin! Wird mir der liebe Gott schon noch so lange Frist gönnen, daß ich noch einmal kann mit dreinschlagen auf diese heillosen Franzosen, die uns wie Heuschrecken in's Land gekommen sind ! Nur Muth, Ali! Heute mir, morgen dir! Wird schon kommen!"
Und wie der alte Soldat so sprach, schien ihm der Schimmel ganz ernsthaft zuzuhören und nickte zuweilen mit dem Kopfe und wieherte leise. Dann setzte sich der Soldat auf das Felsstück und griff nach seinem Stückchen Brod, um es zu verzehren. Aber er zögerte, und endlich sagte er: „Nein, will lieber noch ein paar Stunden hungern! Halt' es wohl eher aus, als Ali, das arme Thier! Komm' her, Bursche! Du hast eine schwere Last zu ziehen, und ich, ich laufe los und ledig nebenher. Da, friß, Ali!"
Die zweite Hälfte des Brodes verschwand wie die erste zwischen den zermalmenden Zähnen des Pferdes, und

