Er stieg wieder zu Pferde und kehrte auf die Landstraße zurück, die er vor wenigen Stunden mit dem Wagen verlasien hatte. Der Schimmel trabte lustig vorwärts, und obgleich bald darauf die Nacht sehr dunkel hereinbrach, wußte der alte Degenkolb dennoch mit der größten Sicherheit seinen Weg dierch den Wald zu finden. Nach einer halben Stunde sah er Lichter schimmern und hielt an, um zu horchen.
Zweites Kapitel.
Herr Braun.
Schloß Hohenberg erhebt sich auf einem Hügel und beherrscht mit seiner stattlichen Fronte das breite Thal, in welchem sich, umgeben von Wiesen, Feldern und Gärten, das Dorf gleichen Namens mit seinen reinlichen, netten Häusern ausdehnt. Aus den Fenstern des Schlaffes genießt man einen schönen Blick in die Tiefe hinab, dann auf die weiten zurücktretenden, runden, mit prächtigem Hochwald bestandenen Bergkuppen, und auf die Seitenthäler, welche sich allmälig nach den Hochebenen des Gebirges hinaufziehen. Lieblich und still ist es des Sommers in jenen Thälern; Bäche rieseln dort, und duftige Wiesen bedecken die Gründe, auf welche des Abends, rvenn der Thau auf die Halme und Gräser und in die Blüthenkelche sich niederlegt, schüchtern das schlanke Reh aus dem Waldschatten hervortritt, um die saftigen Kräuter zu suchen, die es so sehr liebt. Dort am Saume der Wiesen, in den Gebüschen am Ufer der Bäche, wo es so still und heimlich ist, dort nisten auch am liebsten die kleinen Waldvögel, und ihre süßen Stimmen erschallen früh und spät, und singen dem Herrn ihr jubilirendes Loblied.

