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An einem Herbsttage war e§, an einem jener duft- reichen, nebeligen Herbsttage, die unwillkürlich das Herz zur Wehmuth, das Gemüth zu stillem Nachdenken stimmen, da stand an einem Bogenfenster des Schlosses ein hübscher schlanker Knabe von dreizehn oder vierzehn Jahren, und blickte traurig und sinnend in das Thal hinab. An den Bergwänden zogen duftige Nebelwölkchen entlang und hingen im Vorüberschweben glänzende Regenperlen an die Baumblätter, welche der Herbst mit den prachtvollsten Farben vorn glänzendsten Goldgelb bis zum tiefsten Braun in den verschiedensten Schattirungen geschmückt hatte. Ein Rothkeylchen schlüpfte durch das Gesträuch, welches unmittelbar vor dem Fenster stand, zwitscherte mit halblauter Stimme sein melancholisches Liedchen und blickte den Knaben an, welcher es anfänglich nicht beachtete. Das Rothkehlchen flog näher dem Fenster, schüttelte die Flügel und sang lauter als vorhin sein Lied; fast berührte es mit dein Köpfchen die Fensterscheibe. Jetzt endlich ward der Knabe es gewahr.
„Ach Gott, mein kleiner Mimi," sagte er, „kommst du und willst mich mahnen, daß ich deiner vergessen habe? Armes, kleines, freundliches Geschöpfchen, verzeihe mir! Aber du hast Recht, daß du mich erinnerst — so lange ich noch im Schlosse wohne, sollst du dein Futter aus meiner Hand bekommen! Heute zum letzten Mal! Morgen wirst du vergebens vor dem Fenster zwitschern und deine Flügel schütteln!"
Ein rascher, jäher Schmerz zuckte über das traurige, hübsche Gesicht des Knaben, und er biß die Zähne zusammen, um eine Thräne zu verbergen, die sich in seine Augen drängte. Rasch trat er vorn Fenster zurück, öffnete ein Kästchen an einem Pfeilertische und nahm eine Hand voll Krumen heraus, die er für sein Rothkehlchen gesammelt hatte. Er streute sie vor das Fenster auf das Gesims, und augenblicklich kam der Vogel geflogen, blickte zutraulich den Knaben an, der ihn leicht mit der Händ hätte greifen können, und pickte ohne Scheu die vorgeworfenen Krumen auf. Der Knabe sah dem Thierchen
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