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Die ehrwürdige Greisin streichelte sanft die brennenden Wangen des Knaben. „Gut denn," sagte sie, „du bist zwar noch sehr jung, aber gleichviel, ich sehe ein, daß du gewissermaßen ein Recht hast, zu erfahren, warum du, der eigentliche Erbe dieses Schlosses und seiner Güter, das Haus deiner Väter mit dem Rücken ansehen mußt. Mir selbst ist freilich noch Manches dunkel, und ich vermag kein Licht hinein zu bringen, und völlig unbegreiflich ist mir, daß . . . doch gleichviel, das Gesetz hat gesprochen, und es läßt sich dagegen nicht ankämpfen. Sieh', mein Kind, vor achtzehn oder neunzehn Jahren, so lange ist es nun schon her, wollte dein Vater die Mühle kaufen, die unten am Ausgange des Thales liegt. Es war ihm weniger um die Mühle zu thun, als um die Wiesen und das herrliche Stück Wald, das dazu gehörte und ihm immer im Wege lag, weil es von seinen eigenen Forsten umgeben war. Darum, als der Besitzer der Mühle starb und die Erben das große und schöne Grundstück verkaufen wollten, sagte dein Vater sogleich: „Ich muß es haben, und sollt' ich das Doppelte seines Werthes dafür bezah- -—^lert." Die Erben wußten, daß deinem Vater viel an dem Grundstück gelegen war, und der Herr Braun, der den Verkauf zu leiten hatte, wußte es ebenfalls. Durch mancherlei Schliche und Ränke brachte er es dahin, daß dein Vater nicht nur das Doppelte, sondern fast das Dreifache des wirklichen Werthes für die Mühle und die dazu gehörigen Wald- und Wiesenstrecken bezahlen mußte. Das hätte nun weiter nichts gethan, denn dein Vater war reich genug, um selbst eine so große Summe entbehren zu können, aber er hatte das Geld nicht augenblicklich zur Hand. Da kam jener Mensch, der Advokat Braun, und bot ihnr jede beliebige Summe, die dein Vater bedürfen könne, freilich gegen hohe Zinsen, auf das Bereitwilligste an. Dein Vater mochte den Menschen zwar nicht leiden um seines kriechenden, gemeinen und zugleich heimtückischen Wesens halber, indeß, da es sich hier um ein Geldgeschäft handelte, da er des Geldes wirklich dringend bedurfte, wenn er nicht die Mühle in andere Hände wollte über-
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