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„Gib jede Hoffnung auf, mein Kind," sagte sie. „Es -wird mir zwar schwer, dich dazu zu ermähnen, da ich selber gern noch Hoffnung hegte — aber das ist vergebens! Gewöhne dich an den Gedanken, daß dir das Vaterhaus auf immer verloren ist, und füge dich so in das Unvermeidliche. Das schwarze Pult enthält kein Blättchen, kein Papierschnitzelchen, das ich nicht hundert und aber hundert Mal ergriffen, gelesen, umgewendet, von allen Seiten betrachtet hätte. Es nützt zu nichts, sich darüber täuschen zu wollen."
Severin blickte nachdenklich vor sich nieder. „Aber du hast das Pult wenigstens mit hinüber schaffen lassen in unsere neue Wohnung, liebe Großmutter?" fragte er dringend.
„Nein, mein Kind, das habe ich nicht gethan," ent- gcgnete die würdige Matrone. „ES ist ein altes, schweres Stück und in unserm Häuschen kaum zu gebrauchen, ja, wohl kaum ein Platz dafür zu finden. Mag es hier bleiben! Der neue Besitzer des Gutes hat mich ersucht, die Möbel und die ganze innere Einrichtung des Schlosses an ihn zu verkaufen, und aus Rücksicht gegen dich habe ich mich dazu verstanden. Wenn er Alles nimmt, mag er auch das noch hinnehmen, und das alte Pult obendrein."
„Ja, Großmutter, das mag er," sagte Severin, „nur das schöne, alte, herrlich geschnitzte Pult von Ebenholz, das der Vater so werth hielt, an dem er so viele Stunden zugebracht hat, das darf er nicht bekommen, Groß
mutter! Das nicht! Mir zu Liebe laß es noch in's Dorf hinunter fahren, beste Großmutter! Ich kann mich nicht von dem Pulte trennen, denn immer müßte ich denken, daß nun der Mensch an der Stelle säße, wo sonst der Vater gesessen hat, Das kommt mir vor wie eine Entweihung! Im Hause unten wird sich schon ein Platz dafür finden.
Laß es in meine Stube bringen, und ich will so fleißig
daran arbeiten, wie an einem andern Pulte nimmermehr!"
„Gut, gut, mein Kind, sei es denn," sagte lächelnd die Großmutter. „Ich sehe schon, daß ich deinem Eigensinne nachgeben muß. Sage es Friedrich, daß er Sorge trägt, das Pult auf der Stelle fortzuschaffen."

