nicht thun, so bin ich hier Herr im Hause und werde mein Hausrccht gebrauchen!"
„Kein Wort mehr, Mensch!" sagte Severin mit unterdrücktem Zorne. „Achtung vor dem Unglück, Herr! Gott allein weiß, ob Sie mit Recht oder Unrecht auf diesem Boden stehen und dieses edle Schloß Ihr Eigenthum nennen — aber selbst, wenn Sie im Rechte wären, würde es sich nicht geziemen, so zu denen zu sprechen, die Sie aus diesen für sie geheiligten Räumen verjagt haben. Wenn aber eine Schuld auf Ihrem Gewissen ruht, so bedenken Sie wohl, daß es einen Hähern gibt, der in's Verborgene schauet und die Missethat an's Tageslicht zieht. Heute mir, morgen dir! das ist ein alter Spruch, Herr, und ein wahrer Spruch! Wissen Sie so gewiß, daß die Zeit nicht kommen kann, wo ich hier als Herr stehe und Sie gebrandmarkt von dieser Schwelle weichen müssen? Gott sei Richter zwischen uns — auf Ihn baue ich! Und nun hinweg! Keine Minute will ich länger in diesen Mauern weilen, die durch — solchen Menschen entweiht sind!"
Herr Braun wurde blaß und roth und wieder blaß. Er wollte reden — aber die Worte erstickten in seinem Munde. Krampfhaft verzerrte sich sein Gesicht und er schöpfte nach Athem. Als er seine Selbstbeherrschung wiedergewonnen, waren Severin und seine Großmutter verschwunden, und mit ihnen das schwarze Pult, das er so gern behalten hätte.
„Verflucht!" murmelte er vor sich hin — „wenn das Pult nur nicht . . . und dieser freche Bube; er ahnt. .. er vermuthet . . . aber wenn auch, ich bin sicher! Ja, sicher! sicher! sicher!"
Höhnisch kicherte er vor sich hin und warf dann einen befriedigenden Blick der Habsucht auf seine Umgebungen und die schöne Landschaft, die sich, als er an's Fenster trat, vor seinen Blicken ausbreitete.
„Alles mein!" sagte er mit tückischem Lächeln. „Ich bin der Herr hier! Wer will mir beweisen, daß ich nicht ‘ in meinem Rechte bin?"
Heute mir, morgen dir.
3

