Drittes Kapitel.
Die Wege der Bösen sind dunkel.
Auf einer Anhöhe, an welche sich die letzten Häuser des Dorfes lehnten, haben wir den alten Husaren-Wacht- meister Franz Degenkolb verlassen, wie er sein Pferd anhielt und mit gespanntem Ohr scharf in die Nacht hinein lauschte. Im Dorfe drunten und vom Schlosse her, wo die Lichter schimmerten, war Alles still. Nur ein Hund bellte in der Ferne, und das dürre Laub der Obstbäume raschelte, vom Luftzuge gefaßt, auf die Erde nieder.
„Alles gut, Ali," sagte der Alte leise vor sich hin, wie das so seine Gewohnheit war, und klopfte den schlanken Hals seines Schimmels — „Alles gut! Genau so, wie ich's mir gedacht habe! Die Bougres sind rechts auf dem Waldwege fortgelaufen, und richtig, anstatt nach Hohenberg, nach Benkendorf gekommen. Wir sind ganz sicher, Ali, denn wenn sie hier wären, würden sie solchen Spektakel machen, daß man's eine Stunde weit hören könnte. Na, denn nur vorwärts, Ali! Das Schloß liegt ja dicht vor unserer Nase, und die gnädige Frau wird dem alten Franz sicherlich ein Nachtlager, und dir, Ali, ein Maul voll Futter und eine weiche Streu im warmen Stalle zukommen lassen. Ja, ja, sie wird den alten Franz nicht vergesien haben, der vormals dem gnädigen Herrn eben so treu gedient hat, wie jetzt seinem Könige. Was wohl aus dem kleinen Severin geworden ist in den zehn oder elf Jahren, daß ich ihn nicht gesehen habe? Na, werden's ja erfahren! War ein allerliebstes, artiges Bübchen dazumal, und ich habe manch liebes Mal meine Freude an ihm gehabt, wenn ich ihn auf den Knieen schaukelte und er mir zum Danke dafür die Haare aus dem Barte zauste. Na, wollen sehen, Ali! Marsch!"
Der Schimmel trabte die Anhöhe hinunter, durch das Dorf, und stieg langsamer zum Schlöffe hinan. Vor dem Schloßhofe blieb er stehen, und der alte Wacht-

