40
im 10. Psalm auf, wo es heißt: Der Gottlose ist so stolz und zornig, daß er nach Niemand fragt; in allen seinen Tücken hält er Gott für Nichts. Er fährt fort mit seinem Thun immerdar. Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nimmermehr darnieder- liegen; es wird für und für keine Noth haben. — Solcherweise aber war wirklich grade die Gesinnung vorn im Herrenhause. Mutter Gretel und der Thomas fühlten, daß, wenn ihr Knabe, dem bisher Niemand etwas Ucbles nachsagen konnte, nicht verdorben werden sollte, je mehr und mehr dem verderblichen Umgänge entzogen werden müßte. Und so hatten die Armen eine bessere Zucht, eine bessere Aussaat, denn die Stolzen und ihre Ernte versprach eine reichlichere zu werden, als Jener. Die Gutssrau wußte sich aber dennoch Viel mit ihren zwei Kindern, dem Eduard und der eben so unleidigen Lotte; war Gesellschaft da, so lärmten die beiden Kinder mitten drein und das nannten die glücklichen Eltern dann ungezwungenen, hohen Ton oder Selbstständigleit der Kleinen. Dafür standen aber auch dahinten im Schranke zwei dicke Bücher, mit dem Titel, wie man Kinder erziehen sollte. Mußte da nicht eine saubere Frucht reisen? — O nein! Die Bücher stehen der Mode wegen dort, die beiden Kinder wuchsen heran und mit ihnen der arme Winzerknabe.
II. Es sind viele Anschläge in eines Mannes Herzen; aber der Rath des Herrn bleibt stehen.
Es war mehrere Jahre später. Die helle Mittagssonne glänzte auf unser Dörfchen. Im Garten des Gutsherrn ging es heute munter zu; die Cousins, ein Paar muntere Ctnveuten von der benachbarten Hochschule, waren zu Besuch da und durchschwärmtcn bei allerlei lustigen Streichen auch Dorf und Umgegend, das war dem

