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von Einfachheit, wie man es in so mancher Familie beklagen mnß. Und daS ist eben das Schlimmste, daß es die Meisten wissen, Viele es beklagen und Aenderung wollen und die Wenigsten Aenderung treffen. Lottchen durfte den schmuzigen Topf nicht anrühren, nicht die gemeine Nadel führen, nicht eine Stube fegen. Was wäre das in Mama's Augen für eine Erziehung gewesen! Es war „ganz in Ordnung", daß in ihrer Chiffonicre ein halbes Dutzend Schleier lagen und kein einziges Taschentuch von ihrer Hand gesäumt oder gezeichnet war.
Wir wollen Gott tauscndmale Dank sagen, nicht nur, daß er uns die Acltern erhielt, sondern auch dafür, daß er uns strenge, einsichtsvolle Aeltern schenkte. — Die beiden Cousins reisten endlich ab, nicht ohne großes Leidwesen für unsern Eduard, der ihnen bald zu folgen versprach.
Dafür aber wußte er jetzt nun daheim nicht genug zu erzählen, wie er doch auch bald die gefeierte Hochschule besuchen und wie er vielleicht schon jm nächsten Jahre mit der lateinischen Schule beginnen werde. Namentlich lag er unsrem Gustav oft genug damit in den Ohren; ja er wußte ihm so viel zu erzählen, daß derselbe in seiner Harmlosigkeit beinahe auch anfing, auf gar große Dinge zu kommen. Eduard hatte ihm erzählt, dort auf der Hochschule bekäme man erst das rechte Wissen und den rechten Ton weg und ohne studirt zu haben, ohne auf irgend einer Hähern Schule gewesen zu sein, sei man eigentlich nichts Ordentliches, so zu sagen, ein Lump. Wie froh sei sein Vater, daß er auch zwei Jahre das Gymnasium genossen habe! —
Gustav hatte, da sich der wackere Lehrer deS Orts seiner angenommen hatte, bei seinen günstigen Anlagen gar bald glänzende Fortschritte gemacht; im Denken war er sich klar; Gewandtheit in Rede und Schrift stand ihm zu Gebote und da er an Beobachtung

