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„Bist Du nicht froh, daß wir Alles haben, was zur Leibes Nahrung und Nothdurst gehört, unser täglich' Essen, unsre Wohnung und Kleidung? Tankst Du nicht Gott dafür, daß Du gesund und frisch dastehst und was Rechtes lernst?" —
Gustav wollte sich entschuldigen. „Ja, ich weiß schon" — fuhr aber der Alte fort— „woher der Wind blast! Der saubre Sausewind von Eduard davorn hat Dir die Plänlein eingegeben, um unser stilles Haus mit Sorgen zu füllen und Dich in einem vergeblichen Neide bersten zu sehen. Denkst denn Tu, nur studirtc Leute sind Leute? O glaube mir, mancher sogenannte Unstudirte hat an seinen Schicksalen, an seinem Loose und Berufe mehr herausstudirt, als die, welche jahrelang herumflanniren und am Ende kaum ein Unterkommen finden. Das sicherste Brot gibt die Hand und ein tüchtiger Bauer oder Bürgersmann ist in seinem Amte in seinem Berufe ebenso nöthig und ebenso wichtig, wie anderswo ein tüchtiger studirter Herr, dessen Wnkungskrciö weiterhin gebt. Drum hcißt's mit Recht, Handwerk hat einen güldnen Boden, drum hcißt's mit Recht, fleißige Hand ernährt, aber mit demselben Rechte auch: „Erst kommt der Arbeitsmann, der was zum Leben noth ist, schafft, dann der Gelehrte." —
Gustav wagte über diese schroffen Sätze sich nicht weiter auszu- lassen; der Vater war einmal so, wenn er recht in den Zug kam. Und zudem fühlte er recht gut, daß der Vater im Ganzen recht hatte. Eduard hatte ihm den Hocbmuthstcufel gebracht und doch war er kein Eduard oder vielmehr sein armer Vater kein..Gutsherr.
Doch so leicht ruhten die Wünsche in Gustavs Herzen noch nicht. Gar ost wendete er sich spät Abends schlaflos auf seinem Lager und träumte sich einmal als Gelehrter mit langer Allongenpcrückc vor seinem Etudirtische, ein anderes Mal hatte er sich im Traume als Pastor gesehen und die Mutter, die neben ihm schlief, klagte am Mor-

