218
Manchen, den Gegner zu Boden zu werfen, ja es gab selbst Verwundete, die von den Siegern verschont, sich auf Händen und Füßen heranschleppten und unversehens mit dem Handschar (Dolchmesser) dem Gegner die Kniekehlen durchschnitten.
Endlich war die Bastion vom Feinde gereinigt, der Weg in die Stadt offen, die Kolonne rückte in die erste Straße.
Plötzlich erscholl eine Stimme. „Stürmt den Kavalier!" rief sie. „Er ist der Hauptpunkt der Festung."
„Um Gottcswillen nicht!" rief Fedor in diesem Augenblick. „Von diesem Punkte aus ist er uneinnehmbar!"
Es war zu spät. Der Geschützesdonner, das Angriffsgeschrei, übertäubte Fedor's Stimme. Die Kolonne warf sich wie rasend nach der Seite der Verschanzung, ein furchtbares Kartätschenseuer empfing sie hier; die Russen verloren eine große Menge Menschen.
In Verzweiflung sah Fedor nack allen Seiten. Sein Auge suchte den General. Er fand ihn nicht. Jetzt erblickte er den Major Mazuchelli, der ruhig an der Mauer lehnte und dem Kampfe zusah.
„Ich beschwöre Sie, Herr Major!" rief Fedor. „Helfen Sie mir den General aufsuchen; von dieser Seite ist die Schanze nicht zu nehmen."
„Meinen Sie?" erwiderte Mazuchelli ironisch und kalt. „Russischem Helvcnmuthe ist nichts unmöglich."
Er rührte sich nicht vom Platze. — In diesem Momente sah Fedor den Obristen Zalotuchin. Der Jüngling eilte auf ihn zu und theilte ihm seine Zweifel mit. Nur mit Mühe gelang es dem versuchten Krieger, die kampflustigen Schaaren von dem Kavalier ab und gegen eine Bastion zu führen, die sie mit weniger Blutverlust erstürmten. —
Während aber auf dieser Seite mit abwechselndem Glück ge- kämpft wurde, benutzten die Türken die Dunkelheit der Nacht und

