225

Entwendung, wie eS seine Pflicht gewesen, augenblicklich ange­zeigt, des Einverständnisses mit dem Feinde hinlänglich überwiesen zu achten, verurtheilt gegenwärtiges Kriegsgericht den ehemaligen Lieutenant Fedor Nicolajewitsch Steinhcil einstimmig zum Tode, ver­wandelt jedoch aber nach früheren Allerhöchstem Ukase hier folgte der Datum die Todesstrafe in lebenslängliche Zwangsarbeit in den Bergwerken von Nertschinks. Alles von Rechtswegen, so wie nach den Bestimmungen der Kriegsartikel und der dieselben modi- ficirenden Kaiserlichen Verordnung."

Der Lesende hatte geendet. Die Augen der Mitglieder des Kriegs­gerichts hafteten fest auf Fedor. Dieser richtete die Augen einen Augenblick gen Himmel und sprach sodann mit weichem aber gefaßtem Tone:

Meine Herren! Sie haben gesprochen, wie Sie mußten und wie ich an Ihrer Stelle gleichfalls gesprochen haben würde. Der Schein ist gänzlich gegen mich; ich kann das Urtheil, welches mich vernichtet, Ihnen nicht zur Last legen. Sie folgten Ihrer Pflicht, Ihrer Ueberzeugung, Ihrem Gewissen. Allwissend ist nur Einer. Aber diesen Einen" hier erhob Fedor Hände und Augen gen Himmel ihn rufe ich zum Zeugen, daß ich das Verbrechen, welches ich beschuldigt werde, nicht begangen habe. Hat Jemand Verrath geübt, so war ich wenigstens nicht der Verräther, und das Portepee mit den Farben Rußlands ist dabei nicht entehrt worden."

Der Ton, in welchem Fedor sprach, kam so augenscheinlich auö der Tiefe einer unschuldbewußtcn Seele, er war so überzeugend, daß die Mitglieder des Kriegsgerichtes unwillkührlich dadurch erschüttert wurden.

Haben Sie noch irgend Etwas anzuführen?" fragte nach banger Pause der Vorsitzende, nicht ohne Rührung im Tone.

Eine Bitte habe ich!" erwiderte Fedor.Ich möchte den

Heg«r, Winterabende. II.

15