wagen, mit vier feurigen Pferden bespannt, fuhr damit über das weile Himmelsgewölbe und verlieh aus diese Weise der armen Erde das himmlische Licht und die wohlthätige Wärme. Wie nun die heidni­schen Priester und Dichter erzählen, hatte Helios einen Sohn, Namens Phacton, den er mit großer Sorgfalt erzogen lind den er fast bis zur Schwachheit liebte, so daß er ihn, nie einen Wunsch versagte. Eines Tages nun fiel dem hochmüthigen Sohne ein, den Vater zu bitten, er solle ihn doch einen Tag lang den glänzenden Sonnenwagcn re­gieren lassen. Vater Helios schüttelte gewaltig das erfahrene Götter Haupt und meinte, daö sei eine gar gefährliche Forderung. Allein der muthvolle und kühne Sohn ließ nicht ab mit inständigen Bitten, indem er das ernst gemeinte Versprechen dazu fügte, recht vorsichtig zu sein. Endlich gab der zärtliche Vater nach. Phacton bestieg den strahlenden Wagen, nahm die Zügel der brausenden Sonncnrosse in seine unerfahrene Hand und fuhr durch die blauen Wolken des Aethcrs. Die Pferde sind aber kluge Thiere; gar bald spürten sie, daß die starke Hand des weisen Helios sie nicht führe; sie schäumten ins Gebiß und gingen mit dem jugendlichen Wagehalse durch. Phacton sahe nun mit Entsetzen seine Unbesonnenheit ein; allein viel zu spät. Obgleich er die Zügel bald rechts, bald links anzog, den wilden Rossen zurief, dann klagte und zuletzt gar weinte: der Wagen wich immer mehr von der rechten Bahn ab und kam dem Erdbälle viel zu nahe. Gar bald schmachteten die hülflosen Bewohner der Erde vor unausstehlicher Hitze; das tausendjährige Eis beider Pole schmolz zu rauschenden Strömen; die Rennthiere und EiSbärc des kalten Nordens starben vor Hitze und im glühenden Süden gingen die riesigen Waldungen der Gebirge in Flammen auf. Die Wiesen und Getreidefelder bildeten ein wogendes Feuermcer und die Wohnungen des menschlichen Geschlechts waren in dunkle Rauchwolken eingehüllt. Angstvoll lagen die Menschen auf den Knieen in den heilige» Tempeln und vor den gottgeweihten AI