99
ihnen ihre selige Schwägerin gesagt hatte, und unvergessen blieb ihnen Allen ihre Milde und Sanftmuth, ihre treue Liebe und Anhänglichkeit, ihr frommes, gottergebenes Gemüth. Sie ruht in Frieden ! —
Wilhelm Slilling hatte mit Dortchen zwar in einer stark bevölkerten Landschaft, aber ganz zurückgezogen von Allen gelebt ; nun war sie todt und begraben, und Wilhelm fand daher, daß er jetzt ganz allein in der Welt lebte. Seine Eltern und Geschwister kamen und gingen, ohne daß er sie bemerkte, und wenn er in sein Zimmer trat, so fand er es nur still und öde. Aber in dem Gesichte seines Sohnes Heinrich erblickte er mit Freuden Dortchens Züge und oft glaubte er, die rauschenden Fußtritte der Verftorbcncn zu vernehmen. Er fuhr dann in einander, als müsse er Dortchen sehen und sah sie doch nicht. Er durchdachte alle Tage, die er mit der Verstorbenen zusammen verlebt hatte, und er mußte bekennen, daß ihm jeder ein Tag hoher Freude und stillen häuslichen Glücks gewesen war. Dann nahm er wol auch seinen Sohn Heinrich in die Arme und drückte ihn an sein Herz, — und doch fühlte er sich dabei immer noch einsam und verlassen und sein ganzer Zustand blieb ein trostloser.
Vater Stilling sah das Alles und doch tröstete er seinen Wilhelm niemals. Margarethe und die Mädchen versuchten es oft, aber sie machten das Uebel dadurch nur ärger; denn Alles beleidigte Wilhelm, was nur tm Entferntesten dahin zielen konnte, ihn von seiner Traurigkeit zu befreien. Sie konnten aber gar nicht begreifen, wie es doch möglich sein könnte, daß ihr Vater nicht die geringste Mühe anwendete, seinen Sohn Wilhelm aufzumuntern. Sie vereinigten sich daher, ihren Vater darum zu bitten, sobald Wilhelm wieder im Geisenbergcr Walde herumirren und nach seiner Gewohnheit die Orte aussuchen
7 *

