Das Wgtincll.
Hermann war der einzige Sohn eines Rittergutsbesitzers und auf seine Erziehung wurde darum sehr viel gewandt. Ein junger Mann war zum Erzieher des Knaben bestimmt und dieser scheute keine Anstrengung, um seinen Zögling zu einem braven Menschen bcranzubilden. Nach den Lchrstundcn übte sich der muntere Knabe in turnerischen Lcibeöbewegungen oder tummelte sich mit des Pachters Sobne in dem großen Garten am Hause herum, daß es eine Lust war. Gewöhnlich leitete auch der Hofmeister diese Spiele und Uebungen im Garten.
Seit Kurzem aber hatte dieser bemerkt, daß sich sein Schüler immer heimlich zu entfernen suchte; warum jedoch? Das konnte er sich selbst nicht erklären. Eines Abend merkte der Hofineister wieder beider Knaben heimliche Absicht und beschloß, dies Mal genau auf ihr Treiben zu achten und ihnen in jene Verstecke des Gartens nachzugehen, wo die Knaben immer so lange verweilt hatten.
Seitwärts folgend, sah auch der Hofmeister bald, wie beide Knaben, durch Baum und Strauch schlüpfend, in die entfernteste Ecke des großen Gartens gingen und dort vor einem bichtschattigen, hohen Hollunderstrauche sieben blieben. „Siehst du, Hermann" — nahm Jener das Wort — „hier drinnen hab' ich erst heute früh ein Nest entdeckt; aber es sind noch Eierchen drin." Richtig —- ein freudiger Ruf der beiden Knaben, die sich gleich darauf, vor dem eignen Schrei erschreckend, ängstlich umsahen, überzeugte den lauschenden Lehrer, daß eS so sein müsse. Gleich darauf flatterte die Vogelmutter, die sich eben ihre Nahrung gesucht hatte und ihr verstecktes Häuslein mir den Eierchen gefährdet sah, laut zwitschernd über den Köpfen der Knaben hin, um die frechen Eindringlinge

