sie sprach, glitten bei jedem Worte zwei Rosen, zwei Perlen und zwei glänzende Diamanten über ihre rothen Lippen.
„Um des Himmels willen, was ist das!" schrie die Stiefmutter; „ich glaube wahrhaftig, dir fallen Perlen und Diamanten aus dem Munde! — Sag' an, wie geht das zu, mein liebes Kind?" —
Dies war aber das erste Mal in ihrem Leben, daß sie Röschen ihr liebes Kind nannte.
Röschen erzählte ganz einfach, was ihr begegnet war und zum Erstaunen der Stiefmutter fielen fort und fort eine Menge herrlicher Juwelen auf die Erde.
„Ei wahrhaftig," sagte die Stiefmutter, nachdem sie Alles erfahren hatte, „da muß ich Gretcn doch auch einmal nach dem Brunnen schicken. Komm her Gleichen! Komm her, mein Kind! Sieh', sieh', wie es deiner Schwester Röschen geglückt ist, daß immer Blumen und Edelsteine von ihrem Munde strömen! Möchtest du nicht auch solch ein Geschenk haben? Schnell geh' hinaus an den Brunnen, und wenn eine alte Frau ein wenig Massel von dir verlangt, so gib es ihr höflich und artig, wie es einem guten Kinde geziemt."
„Ach was," sagte Grete verdrießlich. „Das fehlte mir noch! Geh' du doch selber an den Brunnen, Mutter!"
„Den Augenblick nimmst du den Krug und gehst!" rief die Mutter erzürnt. „Mach' mich nicht böse, ich will es haben, hörst du?" —
Grete nahm einen schönen silbernen Krug anstatt des schweren steinernen, den Röschen immer tragen mußte, und machte sich scheltend und brummend nach dem Brunnen auf den Weg. Und kaum war sie dort

