64

Boten kamen und sie suchten, und an die Thüre ihres Kämmerleins Pochten.

Was wollt Ihr?" fragte sie mit zitternder Stimme.

Du sollst zum Könige kommen und den Prinzen Heimchen," antworteten die Männer draußen mit höhni­schem Lachen.Nimm dein Eselsfell und laß uns nicht so lange warten, du sauberes Dirnleiu."

Wartet nur immerhin," erwiderte die Prinzessin, heimlich erfreut.Erst muß ich mich rüsten und strählen, dann bin ich bereit, Euch zu folgen."

Die Hofleute mußten sich mit diesem Bescheide zufrieden geben, und während sie draußen geduldig harrten, warf die Prinzessin ihr kostbares sonnenfarbi- ges Gewand über, schmückte sich mit Perlen und Edel- gestein, strählte und lockte ihr glänzendes blondes Haar, und betrachtete sich dann im Spiegel, ob sie auch recht schön und anmuthig sei. Und da sie an ihrem An­züge Wohlgefallen hatte, hüllte sie sich noch tief in ihre Eselshaut ein, so daß Keiner ihre Schönheit gewahr werden konnte, und trat demüthig aus ihrer niederen Thüre. Spottend nahmen die Hofleute sie in Em­pfang, und führten sie unter lautem Lachen zu dem Prinzen, welcher anfänglich selber über ihre große Häß­lichkeit verwundert war. Er konnte gar nicht glauben, daß diese die Jungfrau sei, welche ihm so reizend und lieblich erschienen war, und ärgerte sich nicht wenig über die bittere Täuschung, welche er sich selbst bereitet hatte.

Bist du wirklich das Mädchen aus der Meierei vor der Stadt?" fragte er.Wohntest du in dem kleinen Zimmer am Ende eines finsteren Ganges?"