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Wasserbassin tummelte und sich so seine Gefangenschaft versüßte. Er befand sich unmittelbar unter dem Springqucll, tauchte unaufhörlich unter und auf, hielt eine Weile seinen Kopf unter den kühlen Springquell, tauchte dann wieder unter, und spielte zugleich mit ein paar großen Zeuglappen, die man ihm hineingeworfen hatte, die untersanken und die er wieder heraufholte.
„Man sollte nicht glauben," sagte Henri zu seinem Vater, „daß der Eisbär ein so grimmiges und wildes Thier ist, wie ihn die Bücher beschreiben."
„Er ist es auch nicht ganz und immer so, und es wird darin viel übertrieben!" antwortete der Vater. „Ich habe selbst Beispiele vom Gegentheile erlebt, dir mir unvergeßlich bleiben werden."
„Warum nennt man ihn denn den Eisbären?" fragte Theodolinde. „Das Wasser hier unten ist doch ziemlich warm, denn wir haben heute einen heißen Tag, und es scheint ihm sehr behaglich zu sein." —
„Man nennt ihn so, weil seine Heimath die um den Nordpol der Erde liegenden Länder, Grönland und Spitzbergen, und
das sie umgebende Eismeer sind, auf dem er Fische, Seehunde und andere Secthiere jagt und todte Wallfischc aufsucht; aber auch
Menschen anfällt, denn Menschenfleisch ist seine Lieblingöspeise. Daß er grimmiger ist, als der Landbär, ist gewiß; und gefährlicher ist er, weil er ungleich größer ist, als dieser hier unten, der jung gefangen wurde. Er wird oft so groß, wie ein Rind."
„Ein schönes Thier," bemerkte Theodolinde, „mit seinem langen, zottigen, weichen, wolleähnlichen Haar, mit den blutrothen Lippen
und den schwarzen Augen, mit seinem spitzen Kopfe und seinen weichen Bewegungen! — Seine Stimme habe ich noch nie gehört!" —
„Er brummt nicht, wie der Landbär," antwortete der Vater, „sondern er bellt, wie ein Hund. Seineki dicken Pelz kann er wohl brauchen, denn im Winter macht er sich sein Lager unter den Schnee."
„Sie sagten vorhin, Papa," begann jetzt Henri, „Sie hätten selbst Beweise davon erlebt, daß der Eisbär das durchaus grimmige und keiner sanfteru Gefühle fähige Thier nicht sei, das man oft in Büchern aus ihm mache. Bitte, erzählen Sie uns davon!"
„Meinetwegen, weil der Tag heute so freundlich ist," antwortete Papa; „aber hier nicht! Folgt mir dort hinüber zu der Rnheban unter den Tulpenbäumen! Dort sind wir ungestört und können den köstlichen Schatten genießen!"
Papa ging voran, die Kinder folgten und man setzte sich recht behaglich und neugierig zusammen.
„Ihr wißt," begann der Papa, „daß ich früher als Schiffskapitän verschiedene Reisen in die Polarmeere machte, wo ich noch jetzt zwei eigene Schiffe auf dem Wallfischfang habe. Der erste Beweis von dem, was ich sagte, wurde mir schon bei meiner ersten Fahrt nach Island. Dieses vulkanische Land, 120 Meilen von Norwegen entfernt und zum Staate Dänemark gehörend, hat nur in den Küstengegenden grüne lachende Thäler. Im Innern ist es eine schauderhafte Wüste, die zum Theil noch kein menschlicher Fuß betreten hat, mit Lavafeldern und Felsen ohne alle Spur von Pflanzenwuchs, wo Schnee und Eis die verbrannte Erde deckt, wo heiße Schwefelflächcn, Berge von vulkanischer Asche, reißende Bergströme, zerklüftete Felsenmassen, unzugängliche Höhlen und Moräste, Feuer-

