Funfzehnte Fabel.
Der Lowe und die Maus.
^*Hüde und entkrststet von Hitze schlief ein Lowe im Schatten eines Baums. Ein Haufen Mause, die da versammelt waren, liefen über ihn weg, und bclustig- tcn sich. Der Lowe erwachte und ertappte mil seiner ausgestreckten Tatze cine Maus. Dhne Hoffnung zu entkommen, bath sic den Lôwen wegen ihrcrVerwegen- heit und Unhoflichkeit um Vergebung, und stellte ihm vor, dasi ste seines Zorns nicht würdig ware.
Der Lowe ward von dieser demüthigen Vorstellung gerührt, und liesi die Gefangene los, weil er es zu- gleich unanstàndig fur seine Herzhaftigkeit fand, einso vcrachtliches Thier zu todten, das keiner Vertheidigung fahig ist.
Bald darauf ereigncte es sich, dasi der Lbwe, in» dem er die Wâldcr durchstrich, in die Netze der Jâger fiel. Er stng an, aus allen Kraften zu brüllen, es war ihm aber nicht moglich, sich los zu machen. Die Maus erkannte aus dem Brüllen des Lvwen, dasi er gefangen sey. Aus Erkenntlichkeit, dasi cr ihr das Le- ben schenkte, lies ste hin, zernagte das Retz, und mach. te dem Lèwen Lust, dasi er sich rctten konnte. Moral.
Man verachte keinen Mcnschen; auch der unbe- deutendfle kann uns nützlich senn.
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XV.

