Das herrschen wird am Rheine Gar königlich und groß.
Und unten in dem lLhale Wird eine Stadt erstehen,
Wo aus dem Fnrstensaale Viel Königssöhne gehen."
Jeden Abend ging Jutta aus dem Hain nach den Brunnen ihre zarten Glieder, ungesehen von irdischen Augen, in dem klaren Wasser zu baden. Noch nie war ihr ein menschliches Wesen auf diesem Wege begegnet; desto größer daher ihr Erstaunen, als sie einst nach dem Bade beim Brunnen ausruhend, von einem auf der Jagd verirrten wunderschönen Ritter überrascht wird, an dessen Liebenswürdigkeit ihr Versuch den priesterlichen Bann über ihn auszu- sprechen, scheitert. Verwirrt und erzürnt flieht sie in ihren stillen Hain zurück, findet aber dort keine Ruhe und Rast. Ihr bisheriges, den Göttern geweihtes Leben genügt ihr nicht mehr; vergebens strebt sie ihre Gefühle zu bekämpfen! Von heißer Liebe und Sehnsucht erfüllt durchirrt sie, den schönen Jüngling suchend, Wald und Flur und gelangt endlich wieder an die Quelle, wo sie sich müde und durstend niederlaßt ihre brennenden Lippen zu netzen. Da stürzt plötzlich ein grimmiger Wolf, von seinen hungrigen Jungen begleitet, aus dem Dickicht hervor. Wüthend fallen sie über die wehrlose Jungfrau her, sie mit den Zähnen zerreißend. In der Angst und Todesverzwcislung hebt sie flehend ihre Hände znm Himmel empor,
11
zwar vor uralten Zeiten, aber keine uralte, sondern eine junge reizende Seherin oder Prophetin hauste. Damals schon verkündete sie das Entstehen des Heidelberger Schlosses mit den Worten:
„Es wird aus meinem Haine Erheben sich ein Schloß,

