Jugend, die schönste Zeit seiner akademischen Jahre zurückrief. Ein verspäteter Musensohn, dem das Scheiden wahrscheinlich schwerer ge­worden , als allen seinen langst davon gezogenen Brudern, wanderte jetzt, anstatt von einer großen Schaar zu Wagen und zu Pferde be­gleitet, allein, betrübten Herzens aus Heidelbergs Thore, das be­kannte Volkslied mit schöner, aber bewegter Stimme singend. Hun­dert Mal hatte Herr von Rheinstein diese Melodie gehört, sie selbst oft, Abends durch die Straßen ziehend, gesungen, zuletzt noch am Morgen seiner Abreise vor dem Fenster der im Herzen erwählten Braut. Die einfachen Worte drangen wie bekannte Stimmen in sein Öhr, und er stand leise auf, dem Scheidenden nachzublicken. Unterdessen war auch Theodor von dem Gesang erwacht, und sie sa­hen nun den einsam Wandelnden, das grüne Ranzelchen auf dem Rücken, zögernden Schrittes, immer wieder stehen bleibend den letz­ten, allerletzten Abschied zu nehmen, langsam am Ende der Straße verschwinden, während seine Töne leise in der frühen, geräuschlosen Morgenstunde verhalten. Wie ein Hauch aus ferner Gegend erklan­gen die Worte des letzten Verses:

Geh' ich einsam Lurch die schwarzen Gassen Schweigt die Stadt, als wär' sie unbewohnt;

Schließt der Wächter hinter mir die Thore,

Weiß nicht, daß mein Herze noch zurück.

Nach beendetem Frühstück erinnerte der Freiherr an die Noth­wendigkeit einige Lehrstunden vor dem Ausgehen zu halten; und so sehr der stets schaulustige Sinn der Kinder auch hinaus in die Stadt und Umgegend strebte, unterwarfen sie sich doch willig dem väter­lichen Ausspruch, und bewiesen durch verdoppelte Aufmerksamkeit, daß ihre Versprechungen keine leeren Worte gewesen. Hierauf be­suchte Herr Möller mit Theodor einige Hörsäle, dem Zögling einen

13