n der Mitte der tobenden Wogen, die seit Jahrhunderten nicht im Stande waren, ihn zu erschüttern. Carl hatte nur diesen Augenblick abgewartet, um die alte Sage des grauen Thurms, in frühern Zei­ten wahrscheinlich ein Warnungszeichen für die Schiffer, zum Besten zu geben. Um allen Einreden zu entgehen, begann er ohne Weiteres wie folgt:

Hatte, Abt zu Fulda, später Erzbischof von Mainz, ein har­ter, geiziger Mann, sah bei einer großen Hungersnoth am Rhein viele Menschen elend umkommen, ohne ihnen zu helfen. Eine große Menge Nothleidender versammelte sich um seine Burg zu Mainz und flehte um Brod, was der hartherzige Bischof jedoch verweigerte, obgleich seine Speicher reich gefüllt waren. Und als die Armen nun in ihren Forderungen ungestümer wurden, schickte er seine Schergen *) gegen sie ab, ließ sie alle ergreifen und in eine Scheune werfen, die er anzuzünden befahl. Die Unglücklichen erhoben ein Jammergeschrei, darob sich die Steine hatten erbarmen mögen; der Bischof aber blieb unerwcicht und sagte spottend:hört, wie die Mauslcin pfeifen!" Da brach des Himmels Strafgericht über ihn ein. Ungeheure Schwärme von Mausen sielen in sein Schloß ein. Je mehr man tödtete, desto größer wurde ihre Anzahl; sie schienen gleichsam aus der Erde zu wachsen, und Niemand wußte sich ihrer zu erwehren. Da floh der Bischof nach Bingen und ließ am Fuß des Ruperts- berges einen Thurm in den Rhein bauen, in welchen er sich in einem Nachen rettete. Doch auch hierhin verfolgten ihn die unbarmherzi­gen Mäuse; sie schwammen über das Wasser, kletterten in den Thurm, und fraßen ihn auf bei lebendigem Leibe. Dieß geschah im lOten Jahrhundert. Sein Geist soll noch manchmal wie eine Ne­belgestalt um den Thurm flattern.

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*) Schergen, Häscher, Polizeidlener.