rcn, nebst seiner ebenfalls dicken Ehehälfte, zwei blonden, rothbackigen Töchtern und einen kleinen Sohn, Sonntag Nachmittag ihren Thee trinken zu sehen, wie andere ehrliche Leute, nur mit mehr Ruhe, behaglichem Genuß und Schweigsamkeit. Das Leben in den hohem Standen, Kleidung, Sitten und Gebrauche weichen nur in wenigen Punkten von der Weise anderer europäischer Nationen ab. Der Freiherr, der bis jetzt noch von keinem Empfehlungsschreiben Gebrauch gemacht hatte, weil die Kenntniß der Orte und ihrer Merkwürdigkeiten ihm für seine Kinder wichtiger war, als das gewöhnliche gesellige Leben, wich in Amsterdam von der Regel ab, um sich selbst zu überzeugen, ob der Unterschied zwischen deutscher und holländischer Lebensweise sehr verschieden sei. Der Genuß war jedoch gering, die Ausbeute nicht groß; und die kleine Schaar vollends fühlte sich so unbehaglich und gelangweilt an der steifen Mittagstafel, daß sie mit Sehnsucht der Erlosungsstunde entgegen sah.
Zu den Sehenswürdigkeiten des Landes gehört ein Abstecher nach Nordholland, der am Bequemsten von Amsterdam zu machen. Die Gesellschaft begab sich zu diesem Zweck früh nach 6 Uhr an den Hafen und bestieg ein Dampfboot, das sie in kurzer Zeit nach Saar- dam oder Zaandam an dem Flüßchen Zaan brachte. Unzählige Windmühlen, über 1000 Stück, bieten dem Auge beim Landen einen wunderbaren Anblick; sie scheinen die kleine Seestadt ordentlich einzufassen. Eigentlich ist Saardam nur ein Dorf, aber das größte in Holland, mit 10,500 Einwohnern und vielen buntbemalten Häusern. Sie sind mit Oelfarbe angestrichen; das Dach grün, die Wände gelb oder umgekehrt. Fast jedes Haus ist mit Wasser umgeben, eine
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versammelt säßen und beim Thee abwechselnd daran leckten., Diese in Deutschland noch hier und da hastende Idee von der holländischen Zuckersparsamkeit wird nirgends realisirt gesunden, und unsere kleinen Reisenden mußten sich begnügen, einen alten wohlbeleibten Mynhee-

