254

sah, daß dergleichen hier sehr gewöhnlich und die Menschen nicht be- - gierig auf etwas Neues waren.

In Antwerpen findet man noch viel Spuren spanischer Tracht bei dem weiblichen Geschlecht. Die Mantilla (kleiner Mantel ohne Capuze) ist fast allgemein und nur die ganz vornehmen Stände klei­den sich nach französischer Mode. Auch sieht man zuweilen statt der Mantilla einen weiten schwarzen, Kopf und Schultern verhüllenden Schleier, Faille genannt, bestehend aus einem zwei Ellen breiten, sehr langen Stück seidenem oder wollenem Zeug, das die Taille hin­ten bedeckt, und vorn in reichen Falten bis über die Knie reicht. Doch nicht allein die Tracht verräth die spanischen Vorfahren, son­dern die ganze Erscheinung erinnert an südlichen Ursprung.

Der folgende Tag war dem Besuch des Museums und einiger Privatsammlungen gewidmet, und noch nie hatten die Kinder eme Gemäldegallerie mit so viel Lust und Liebe und Genuß gesehen, als hier unter der Leitung zweier kunstverständigen Freunde, nachdem Bonifaz unvermerkt durch Lehre und Beispiel auf ihren Geschmack gewirkt, und den rechten Sinn für das wahrhaft Große und Schöne der Kunst in ihnen geweckt hatte. Es ist keineswegs meine Absicht, meinen jungen Lesern eine Beschreibung der vielen, in allen Fächern ausgestellten Kunstschätze zu liefern; nur so viel sei gesagt, daß das Antwerper Museum, wie auch einige Privatgemäldesammlungen das Schönste und Gediegenste aller niederländischen Meisterwerke enthal­ten. Von Rubens, dem gefeierten Künstler, wird im Museum auch ein Stuhl aufbewahrt, der ganz einfach mit schwarzem Maroquin beschlagen ist. Auf der Lehne liest man die Worte: Peter Paul Rubens. Der geliebteste Schüler dieses großen Meisters, van Dyk, ist in Antwerpen geboren, und von ihm finden sich vortreffliche Ge­mälde in allen Sammlungen und Kirchen.