218 Beivvhner A>ie»s. Leögi.

Für einen Feldzug, welcher aber nie länger als 4 Monate Dauert, erhält ein bewaffneter Reiter, außer den Lebensmitteln, etwa zwei Karolin. Im Kriege werden die Befehle des von dem Haufen gewählten Oberhauptes (des B e la d i) eben so strenge befolgt, als der Lesgi im Frieden in seinem Hause das WortGehorsam" nicht kennt. Alle Nachbarn übertrifft dieses Volk an Uner- schrockenheit und persönlicher Tapferkeit, und ist durch seine Räubereien der Schrecken der 'Anwohner geworden. Gegen Kristen hegen sie einen un­versöhnlichen Haß, und führen als Grund für ihre Rache an, daß die Georgier einst in ihr Land eingefallen seien, um sie zum Kristcnthume zu bekehren. Gegen das Ende des Maimonates pflegen sie aus ihren Bergen hervorzukommen, und sich auf georgischem Gebiete zu zerstreuen, und in Schlupfwinkeln zu verbergen, aus welchen sie unerwartet hervorbrechen, um die Dörfer anzugreifen, Vieh zu rauben, und die Einwohner als Ge­fangene wegzuführen. Haben sie einen sichern Ort erreicht, so zeigen sie den Verwandten ihrer Gefangenen an, daß dieselben losgekauft werde» können. Für einen Gefangenen werden gewöhnlich zwei Karolin Auslie- ferungsgeld entrichtet. Gefangene, welche sich nicht loskaufen können, müssen 10 Jahre im Hause ihres Herrn dienen.

Die meisten Lesgicr sind Muselmänner und gehören der sunnitischen Sekte an. Einige von ihnen scheinen keine bestimmte Religion zu haben, und bei andern findet man unbedeutende Spuren von Kristenthnm. Da sie ein einfaches, hartes Leben führen, und sonst geraden Sinnes sind, findet man bei ihnen große Sittenreinheit, und die Gastfreundschaft und das Wiedervergeltungsrecht sind die Bande, welche die Gesellschaft zusammen halten. Von frühester Jugend an erzieht die Mutter ihren Sohn für das Kriegshandwerk, erzählt dem Knaben von den Thaten feiner Ahnen und Verwandten und sucht dadurch Muth in ihm zu erwecken und ihn zum Helden zu bilden. Bon der Mutter erhält der Sohn die ersten Waffen, und wenn er das erste Mal in den Kampf zieht, begleitet sie ihn an die Gebirgs-Gränze, und ermähnt ihn, seiner Familie Ehre zu machen» und entweder zu siegen, und reich an Ruhm und Beute wiederzukehren, oder zu fallen.

Der Chan der Awar-Lesgi führt den Titel Nuzahl, und ist der mächtigste Fürst im Hochgebirge des östlichen Kaukasus. Seine Residenz Khundsach ist ein ziemlich großes Dorf, und sein Palast ein geräumiges, reinliches Haus, welches Glasfenster hat, und an dessen Eingänge sich ei» großer Saal befindet, welcher Allen offen steht, und eine mit Speisen be­setzte Tafel enthält, von welcher jedem Ankommenden, angeboten wird.