Bewohner Asrika'6. Kongo-Neger. 315
nicht befugt, sich von seiner Frau zn trennen, wenn er ihrer überdrüssig ist, sondern er muß sie behalten, und wenn sie auch noch so viele Fehler und Gebrechen hatte. Um nun der Unannehmlichkeit vorzubeugen, an eine Frau gefesselt zu sei», die einen schlechten Karakter hat, oder unfruchtbar ist, nimmt man sie erst auf Probe. Findet ein Mann Gefallen an einer Frauensperson, so schickt er ihren Ältern vier Stück Chila (eine Gattung von Zeug), eine Flasche Tafia, und eine neue, von ihm selbst gewobene Schürze. Der Ueberbringer dieser Geschenke händigt der Jungfrau die Stürze, dem Vater die Tafia ein. Ist die Tochter dem Bewerder geneigt, so kostet der Vater von dem Getränke, worauf der Ueberbringer die vier Stücke Zeug in dem Tempel des Gössen Hen de (der afrikanische Liebesgott) niederlegt, und zu dem Bewerber zurückgeht. Noch an demselben Tage führt dann der Vater die Jungfrau, mit der erhaltenen Schürze angethan, ihrem Bewerber zu, und laßt sie in dessen Wohnung. Während vier Tagen muß er nun den Karakter seiner Schönen zu erforschen suchen, darf sie jedoch nicht berühren. Glaubt er, daß sie für ihn passe, so ist es ihm gestattet, am fünften Tage die Ehe mit ihr zu vollziehen. Befindet sie sich nach vier Wochen in gesegneten Umständen, so muß er sie als seine rechtmäßige Frau behalten, und kann sich nie mehr von ihr trennen; im entgegengesetzten Falle darf er sie ihren Ältern zurückschicken. Deshalb wird sie aber keineswegs mit Verachtung angesehen, sondern findet größtentheils in kurzer Zeit Gelegenheit, eine neue Probe zu bestehen. Wenn während dieser Probe der Bewerber sie etwa mißhandelt hätte, so verliert er, im Fall er sie zurück schickt, jeden Anspruch auf seine Geschenke. Die Jungfrau selbst darf nie verlangen, dem Schooße ihrer Familie zurückgegeben zu werden, wenn sie nicht allgemein für boshaft und unbeständig gehalten werden will.
Die Bewohner von Kassange werden nicht beschnitten, nur der Jaga macht hiervon eine Ausnahme, weil diese Operation zu den Vorrechten des Regenten gehört. Sie sind übrigens so abergläubisch, wie alle Neger. Viele beten den Adler an, weil sie diesen Vogel, seiner Stärke wegen, für den Schuhgott des Lebens halten. Die angesehenste ihrer Gottheiten ist aber der Donnergott, weil man ihn am meisten fürchtet. In dem kleinste» Orte hat er daher einen Tempel.
Begräbnis? eines Soba.
Dvuville wohnte dem Begräbnisse des Soba von dem kleinen Negerstaate Bumbakatenda bei. Die fröhlichen Tänze der Menge wurden mit

