Bewohner Australiens. Bewohner der F-ilippincn. 401

Prozessionen findet man vielleicht nirgend anderswo so häufig als hier. Bei denselben gehen Frauen und Mägdchen auf der einen, die Männer auf der andern Seite des Zuges. Alle kleiden sich, bei solcher Gelegenheit, in die niedliche Tracht der Tagaler. Mägdchen und Frauen tragen große ge­stickte Tücher um Hals und Kopf, und in der rechten Hand eine Fackel. Mehre Diener der Kirche tragen große Haufen Fackeln nach, und vertheilen sie an alle, welche sich der Prozession anschließen wollen. Das Ende des Zuges schließt zuweilen Militärmusik, und ein Offizier mit einigen Zügen Grenadieren. Voraus gehen sehr gemischte Musikchöre. Die kommandirten Ofsizianten befinden sich im Innern der Kolonne, in schwarzer Kleidung, gehen mit entblößtem Haupte, und tragen ebenfalls Fackeln. Unter den Heiligenbildern, welche Meyen herumtragen sah, war eine schwarze Statue Kristi's am Kreuze. Am Abende nach einer großen Prozession, welche am Geburtstage des Königs gehalten wurde, war die Stadt illuminirt, und außerhalb derselben wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Vor dem Feuerwerke zogen Masken durch die Straßen der Stadt, und belustigten das Volk. Von Musik und vielen Menschen begleitet, gingen sie zur Stadt hinaus an den Platz, aus welchem das Feuerwerk abgebrannt werden sollte, und tanzten daselbst in großen, von Wachen umstellten, Kreisen. Bei dem Feuer­werke waren mehre bewegliche Figuren, welche Pferde, Ochsen oder Pirami- den von kolossaler Größe darstellten, und gleich, nachdem sie angezündet worden, in die dichten Volkshaufen hineinliefen, was den Tagaler» vielen Spaß machte, obgleich sie dabei oftmals übel zugerichtet wurden.

Die farbigen Einwohner sind in dieser Kolonie Spaniens sehr zahlreich, und genießen mit den Spaniern die gleichen Vorrechte, sind so träge und müssig, als die Spanier, haben aber nicht den Muth, die Ausdauer und den festen Karakter derselben.

Die Bewohner Manila's sind mehr als mittelgroß, und sehr wohlge- wachsen, haben angenehme Züge, auodrucksvvlle Gesichter und etwas dunkle Hautfarbe. Ihre Erziehung ist gewöhnlich sehr vernachlässigt, und sie sind dem dümmsten Aberglauben preisgegeben. Die artigen, wvhlgewachsencu Frauen haben schöne schwarze Augen, kleine Füße, und das Wollüstige der Damen Andalusiens.

Luzons Bewohner sind sehr mäßig. Reiß, Fleisch, Gemüse, Früchte, und bei den Wohlhabenden Enten, bilden die vorzüglichsten Nahrungsmittel. Das Volk im Innern der Insel trinkt Wasser, zu Manila sind aber starke Liköre sehr in Aufnahme gekommen.

K. F. V. Hoffmunn's Völkerkunde. -,g