man ihnen einen Namen, welchen man von einem Gegenstände entlehnt, den man täglich vor Augen hat. Dazu bedarf es keiner Zeremonie. Die Kinderspiele sind den Übungen der Erwachsenen gleich. Von klein auf lehrt man sie Lanzen werfen, und den Würfen ausweichen. Im zwölften oder fünfzehnten Jahre sticht man ihnen die Scheidewand in der Nase durch (welche Operation Gua-nung heißt), damit sie einen Knochen oder ein Stück Schilf dadurch stecken, und als Zierde tragen können. Obgleich hierdurch das Sprechen gehindert wird, sieht man dies doch als eine sehr große Verzierung des Gesichtes an. Beim weiblichen Geschlechte wird diese Verschönerung sehr selten vorgenommen. In dem nämlichen Alter wird den Knaben ein Vorderzahn herausgeschlagen, wodurch sie Vorrechte erhalten welche sie bisher nicht hatten, und in die Zahl der Männer eintreten.
Wenn die Jünglinge die Vorrechte der Männer erhalten haben, üben sie sich fortwährend im Gebrauche der Waffen, und in Erduldung von Schmerzen.
Das Brautwerben geschieht bei den Neuholländern eben nicht auf die zarteste Weise. Gewöhnlich wählt der Mann seine Lebensgefährtin auö einem anderen Stamme, und noch dazu aus einem feindlich gesinnten. Die Erwählte wird in der Abwesenheit ihres Beschützers von dem Liebhaber überfallen, der sie mit seiner Keule so lange auf den Kopf, die Schulter», die Gurgel, und alle Theile des Körpers schlägt, bis sie ohnmächtig geworden ist, und das Blut von ihr fließt. Darauf schleppt er sie am Arme über Steine und Wurzeln, Stauden und Stöcke, ohne sich nach ihr umzusehen, bis er mit ihr am Orte der Bestimmung angelangt ist, wo er sie heirathet, sie seine Frau, und ein Mitglied seiner Horde ist. Dafür braucht ihre Horde, sobald sich Gelegenheit bietet, das Gegenrecht. Die so Gewonnene fügt sich in ihr Schicksal, und bleibt bei ihrem Manne, wo es ihr an Mißhandlungen und Schlägen auf den Kopf so wenig fehlt, daß sie bald über und über voll Narben ist. In diesem Raubsisteme üben sich die sieben bis achtjährigen Knaben schon. Die Frauen sind durchaus Sklavinnen der Männer, und so gränzenlos elend, daß man versucht wird, lieber allen kleinen Mägdchen, jung, den Tod zu wünschen, ehe sie so glücklich sind, Ehegattinnen zu werden. Die geringste Beleidigung, welche eine Frau sich gegen ihren Eheherrn zu Schulde» kommen läßt, straft dieser durch einen Keulen- schlag auf den Kopf, der so derb geführt wird, daß das Blut hervorspritzt, und häufig die Hirnschale verletzt wird. Diese Behandlungsweise scheint die Anhänglichkeit der Frau an ihren Mann eher zu vermehren, und zu befestigen, als zu mindern, und zu schwächen, denn diese empfangenen
Bewohner Australiens. Bewohner von Neuholland. 425

