Sonnenuntergang angehen. Sie fragten ferner, warum und wo er daö arme Mägdchen getödtet. Er gestand, ihr einziges Verbrechen sei gewesen, daß sie zu ihren Verwandten weggelaufen. Er führte sie vor das Dorf hinaus, und zeigte ihnen den Pfahl, an den er ste band, und lachend über den Gedanken, wie er die Gefangene angeführt habe, sagte er: „Ich hatte sie glauben gemacht, sie werde blos gepeitscht werden, aber ich feuerte, und schoß ihr durch's Herz." Und dieser Wilde war nicht blos ein schöner junger Mann, sondern von mildem und freundlichem Wesen, und das arme Opfer war ein artiges Mägdchen von etwa 16 Jahren! Als sie Atoi verlassen, gingen sie noch einmal zu dem Orte, wo das ekelhafte Mahl bereitet wurde. Kein Eingeborener befand sich jetzt in der Nähe; ein heißer, stinkender Schmerdampf qualmte aus der Öffnung, der Hund, der vorhin mit dem abgeschnittenen Kopfe des Mägdchens hinter daö Gebüsch sich verkrochen, schnüffelte dem Dorfe zu, und um die düsteren Umrisse des Gemäldes zu vollenden, stieg ein großer Geier (liawk) von der Schlachtungsstätte langsam in die Wolken empor. Unter diesen Betrachtungen kam ihnen der Gedanke in den Kopf, einen Versuch zu machen, ob sie das Kanibalenfest nicht vereiteln könnten. Gesagt, gethan. Der Maler ging, während Kapitän Duke als Wächter zurückblieb, an den Strand hinab, versammelte einige Landsleute, und fragte sie, ob sie ihnen bcistehen wollten, den Ofen zu zerstören, und den Rest des Mägdchens zu begraben; sie waren mit dem Vorschlage einverstanden; jeder versah sich mit einer Schaufel oder Pike, und so zogen sie nach der Stelle. Indessen hatten aber auch Atoi und dessen Freunde einen Wink bekommen, und kamen, ihr Vorhaben zu verhindern. Er suchte sie durch allerlei Drohungen abzuschrecken, und äußerte höchliche Entrüstung; da jedoch keiner von seinen Leuten Lust zu haben schien, Thätlichkeiten anzufangen, sondern sie vielmehr sich schämen mochten, daß sie sich bei einer solchen Geschichte von den Weißen hatten ertappen lassen, so ließen diese gewähren. Demnach gruben diese ein ziemlich tiefes Grab, nud griffen dann entschlossen den Ofen an. Als sie Erde und Laub weggeräumt, bot sich ihnen, mitten durch Wolken und Dampf, das gräßliche Schauspiel der vier Viertel eines halbgerösteten, menschlichen Körpers dar; das Herz — wahrscheinlich ein Leckerbissen für den Häuptling — lag besonders; sie sammelten alle Theile, die ste erkennen konnten, legten sie in das Grab, und deckten es sorgfältig zu. Den Ofen aber, mit seinem Apparat, zerbrachen und zerstörten sie. Während dies geschah, hatten sich die Einwohner beider Dörfer versammelt, und waren Zeugen einer Scene, wie sie gewiß nie zuvor auf Neuseeland gesehen worden. Sechs unbewaffnete
432 Bewohner Australiens. Bewohner von Neuseeland.

